Ausstellung im Kunstgewerbemuseum Köpenick : Schön gebrannt

Keramische Arbeiten im Schloss Köpenick: Drei Künstler zeigen, wie unterschiedlich mit dem gleichen Material gearbeitet werden kann.

von
Ein Motorrad aus Keramik. Judith Püschels Moped "Herzschrittmacher" aus dem Jahr 1993.
Ein Motorrad aus Keramik. Judith Püschels Moped "Herzschrittmacher" aus dem Jahr 1993.Foto: Stiftung Stadtmuseum B. © Stiftung Stadtmuseum Berlin / Ilona Ripke

Venezianische Verhältnisse herrschen an diesen lauen Sommertagen auf Schloss Köpenick. Am Gartenausgang schwappt das Wasser an die Uferterrasse. Als ehemaliges Jagdschloss gibt sich das Gebäude durchlässig für die Natur. Heute beherbergt es das zweite Haus des Berliner Kunstgewerbemuseums. Neben höfischen Exponaten wird auch zeitgenössisches Kunsthandwerk gezeigt. In diesem Jahr widmet sich die Ausstellung „Kunst Form Ton“ keramischen Arbeiten.

Judith Püschel, Antje Scharfe und Karl Fulle, zwischen 1950 und 1955 geboren, studierten bei Gertraud Möhwald an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Von hier aus gingen alle Drei ihrer eigenen Wege. Am leichtesten macht es Judith Püschel dem Publikum mit klar wiedererkennbaren Objekten. Hirschgeweihe aus Ton, darunter eine Pistole, nehmen Bezug auf das Jagdschloss. Der Blickfang ist ein fast maßstabgetreues tönernes Moped, in aufwendiger japanischer Raku-Technik rußig verziert. Mit dem Titel „Herzschrittmacher“ wirkt das Gefährt allerdings übertrieben deutlich.

Karl Fulle, von 2004 bis 2006 selbst Professor an der Burg Giebichenstein, experimentiert in seinem Rheinsberger Atelier mit Faltungen, Schichtungen und Windungen des Materials. Von ernster Würde eine Stele aus geometrischen Körpern. Mit verspieltem Schwung verwirbelt sich ein Relief mit dem Namen „Whosch“. Die Welle lässt an Frank Stella denken, sie spült über die erdgebundenen Eigenschaften der Irdenware hinweg. Manche Versuchsreihe Fulles endet auch bei zarten Blütenkelchen in lieblichem Grün oder beim glatten Torso. Die fragmentarische Form bewahrt das Werk allerdings nicht vor Gefälligkeit.

Antje Scharfe entfernt sich am weitesten von der Funktion der Keramik als Behältnis. Zwar dekliniert sie in einer Wandvitrine die unterschiedlichen Gefäßformen durch, aber die Kannen und Krüge sind massive Körper ohne Hohlraum. Scharfe, einst Mitarbeiterin bei Hedwig Bollhagen, betreibt seit 1981 ihre eigene Werkstatt in Zepernick. Über zwölf Jahre leitete sie die Fachrichtung Plastik/Keramik an der Burg Giebichenstein. In ihren jüngsten Installationen verfeinert sie das durchscheinende Knochenporzellan, bis es dünn wie Pergament wird. Mit Schattenrissen inszeniert sie hinterleuchtete Szenen. Das Ergebnis sind unergründliche Dioramen, eine faszinierende Mischung aus Transparenz und Bodenständigkeit. Inkrustationen, Reste von Ruß, eingeritzte Zeichen erinnern an die Gefahr, der das fragile Material im Arbeitsprozess ausgesetzt ist. „Kunst Form Ton“ ist dort am aufregendsten, wo Spuren der Zerstörung die irdene Schönheit vervollkommnen.

Schloss Köpenick, bis 28. September, Di bis So 11 – 18 Uhr

1 Kommentar

Neuester Kommentar