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Ausstellung in Frankfurter Kunsthalle : Gustav Caillebotte - Bourgeois und Revolutionär

05.01.2013 00:00 Uhrvon
Im Schweiße deines Angesichts. Caillebottes „Parkettschleifer“ (1894, Ausschnitt).Foto: Musée d'Orsay, Paris, Geschenk der Erben von Gustave Caillebotte. bpk/RMN/Hervé LewandowskiBild vergrößern
Im Schweiße deines Angesichts. Caillebottes „Parkettschleifer“ (1894, Ausschnitt).Foto: Musée d'Orsay, Paris, Geschenk der Erben von Gustave Caillebotte. - bpk/RMN/Hervé Lewandowski

Als Maler ist er den Möglichkeiten der Kamera voraus: Gustave Caillebotte. Der Impressionist malte Sichtweisen, bevor die Kameratechnik weit genug war, sie auf Platte zu bannen. Nun werden seine Werke in der Frankfurter Kunsthalle ausgestellt.

Gustave Caillebotte ist erst 45 Jahre alt, als er im Februar 1894 in seinem Anwesen bei Paris an einem Gehirnschlag stirbt. „Wir haben einen aufrichtigen und hingebungsvollen Freund verloren“, schreibt der Malerkollege Pissarro, „und allen Grund, um ihn zu trauern, denn er war selbstlos, großzügig und außerdem ein begabter Maler.“ Dieses „außerdem“ behindert bis auf den heutigen Tag die Anerkennung als Künstler. Immer wurde in ihm in erster Linie der Mäzen gesehen, der er für seine impressionistischen Malerfreunde war, allen voran Claude Monet, den er jahrelang finanziell unterstützte. Seine eigene Sammlung impressionistischer Gemälde vermachte er dem französischen Staat, der die Schenkung nur halbherzig annahm und erst 1929 in den testamentarisch bestimmten Louvre einließ.

Heute bilden die Gemälde von Manet, Renoir, Monet den Grundstock des Pariser Musée d’Orsay.

Caillebotte war ein eigentümlicher Mensch. Nicht allein sein ererbter Reichtum trennte ihn von den anderen Künstlern. Wenig, wenn überhaupt, war an ihm Künstler im Sinne derjenigen Existenzform, die sich im 19. Jahrhundert zum Gegenbild des Bürgers ausprägte. Er selbst war ein lupenreiner Bourgeois, dabei als Maler durchaus nicht Dilettant, sondern an der École des Beaux-Arts ausgebildet. Erst die Ablehnung seiner ersten Einreichung zum geschmacksprägenden Pariser Salon im Jahr 1875 führte zur Distanz, die er seither gegenüber dem konventionellen Kunstbetrieb hielt.

Aber was für eine Einreichung! Das Gemälde „Die Parketthobler“ ist eine der schonungslosesten Darstellungen von Lohnarbeit, die das späte 19. Jahrhundert hervorgebracht hat. Das Bild der drei Männer, die das Parkett einer luxuriösen Neubauwohnung von Hand abschleifen, ist darum so schonungslos, weil es nichts zeigt als eben diese Arbeit, der kein weiterer Sinn innewohnt. Weder Überhöhung noch Anklage, nicht einmal Erzählung. Wie eine dokumentarische Fotografie.

Jetzt ist das Gemälde in der Frankfurter Kunsthalle Schirn zu sehen, im Rahmen der Ausstellung „Gustave Caillebotte. Ein Impressionist und die Fotografie“, deren Titel die Spur auslegt, die hier verfolgt wird. Ob Caillebotte selbst fotografiert hat, ist ungewiss; der persönliche Nachlass ist verloren. Aber um ihn herum nahm die Fotografie, eine französische Erfindung, ihren rasanten Aufschwung.

Zu seinen Lebzeiten wurde sie zum beherrschenden Medium der Wirklichkeitsvermittlung, gleichermaßen noblen wie niederen Zwecken dienstbar, vom Porträt bis zur Pornografie, von der Komposition bis zum Schnappschuss.

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