Ausstellung in Roskilde : Die Welt zur Zeit der Wikinger

Vor rund 1200 Jahren war die Welt internationaler als wir dachten. Seefahrer aus Byzanz und der arabischen Welt reisten bis nach China. Was sie entdeckten, zeigt eine Ausstellung in Roskilde.

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Aus Abharas Welt: Keramikteller aus dem südlichen Irak, 800 bis 900 nach Chr. Foto: Sammlung Davids, Kopenhagen
Aus Abharas Welt: Keramikteller aus dem südlichen Irak, 800 bis 900 nach Chr.Foto: Sammlung Davids, Kopenhagen

Wikinger waren in erster Linie Seefahrer. Ihre Schiffsbaukunst erlaubte den Männern aus Europas Norden, mit ihren schlanken Schiffen bis nach Nordamerika, nach Byzanz und ins Schwarze Meer zu segeln und Handel zu treiben. Dass nur fünf Prozent der damaligen Bewohner Nordeuropas auf „viking“, also auf Raubzug gingen, lehrt uns die großartige Ausstellung „Die Wikinger“ im Martin-Gropius-Bau, die dort vom Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin, dem British Museum und dem Nationalmuseum Kopenhagen gezeigt wird. Die Welt war aber zu Zeiten der Wikinger komplexer, als wir vielleicht bisher glauben mochten.

Auch in anderen Regionen der Welt entwickelte sich der Schiffbau, stiegen wagemutige Männer in ihre Boote und unternahmen weite Reisen, um ihrer Neugier folgend, die Grenzen der ihnen bekannten Welt auszudehnen. Dabei kam es auch zu Begegnungen mit den Wikingern. Davon erzählt die Ausstellung „The World in the Viking Age“, die noch bis zum 30. Dezember im Wikingerschiffmuseum Roskilde zu sehen ist. Sie erweitert den Horizont der Berliner Ausstellung über die arabische Halbinsel, Indien, Indonesien bis nach China.

Am Beispiel der Berichte von drei Seereisenden unterschiedlicher Kulturen entsteht so das faszinierende Bild einer Welt, die globalisierter und vernetzter erscheint, als wir uns das mit unserem oft eurozentristischen Blick auf die Welt eingestehen wollen. Die Berichte der Reisenden des 9. Jahrhunderts ergeben ein faszinierendes Bild einer Zeit, die uns weit entrückt und dunkel scheint. Die Reisenden berühren dabei nicht immer die Hauptstädte der bereisten Gebiete, sondern es sind die Hafenstädte an den Hauptrouten der Seefahrer, oft Knoten- und Kreuzpunkte der Kulturen, wo sich Menschen aus vielen Regionen niederlassen, um Handel zu treiben oder Service-Funktionen für Seefahrer anzubieten.

Aus Ottars Welt: Nordische Münze mit Schiffsmotiv, etwa um 825. Foto: Wikingerschiffsmuseum Roskilde
Aus Ottars Welt: Nordische Münze mit Schiffsmotiv, etwa um 825.Foto: Wikingerschiffsmuseum Roskilde

„The Marvels of the Wonders of India": Große Quelle arabischer Seefahrer

Ottar von Halogaland ist ein Seefahrer aus dem heutigen Norwegen, der diese Küste einerseits bis ins heutige Russland bereist hat, andererseits bis nach Haithabu und schließlich nach England gekommen ist. Er landete bei Alfred dem König von Wessex und berichtete ihm ausführlich von dem Land der Nordmänner. Für seine Reisen muss er über ausgezeichnete Schiffe verfügt haben. Für die Engländer, die sich gegen die Dänen zu wehren hatten, lieferte Ottar wertvolle Informationen.

Eine große Quelle arabischer Seefahrer ist das Buch „The Marvels of the Wonders of India: Mainland, Sea and Islands von Buzurq Ibn Shahriyar al-Ramhormuzi, einem persischen Kapitän, der in diesem Band 136 Geschichten über die Seefahrt im Indischen Ozean Mitte des 10. Jahrhunderts niedergeschrieben hat, Vieles ist Phantasie, aber die Geschichten enthalten für Historiker auch nachvollziehbare Fakten über die Seefahrt zwischen der Arabischen Halbinsel und China. Zu den Höhepunkten gehören Geschichten über den arabischen Kapitän Abhara, der mindestens neun Mal von Siraf, einem bedeutenden frühislamischen Handelsplatz, nach China gesegelt ist. So ein Schiff könnte das „Juwel von Muscat“ sein, wie der Nachbau eines arabischen Schiffes aus Oman heißt, dessen Original man 1998 in Indonesien gefunden hatte, beladen mit chinesischer und islamischer Keramik, was als Beweis für die Handelsverbindungen gewertet werden kann.

Aus Theodosius' Welt: Byzantinische Goldmünze, geschlagen unter Kaiser Theophilos 829-842 nach Christus. Foto: Nationalmuseum, Königliche Münz- und Medaillensammlung, Kopenhagen
Aus Theodosius' Welt: Byzantinische Goldmünze, geschlagen unter Kaiser Theophilos 829-842 nach Christus.Foto: Nationalmuseum, Königliche Münz- und Medaillensammlung, Kopenhagen

Theodosius Baboutzikos bereiste das ganze Mittelmeergebiet

Der dritte Seefahrer der Ausstellung ist Theodosius Baboutzikos, der um 840 im Auftrag des Herrschers von Konstantinopel im ganzen Mittelmeergebiet auf diplomatische Missionen geschickt wurde, um im weit verzweigten Reich nach dem Rechten zu sehen, für Steuerzahlung zu sorgen und Bündnispartner zu gewinnen. Siegel von Theodosius wurden im dänischen Ribe und in Haithabu gefunden, archäologische Beweise für seine ausgedehnte Reisetätigkeit. Ein Schiff seiner Zeit wurde mit Amphoren von Krimwein bei Bauarbeiten zur Istanbuler U-Bahn gefunden – „Yenikapi 12“ ist ein gut erhaltenes Wrack mit Ladung, das zeigt, wie byzantinische Schiffe im 9. jahrhundert ausgesehen haben. Gerade die archäologischen Funde der letzten 20 Jahre aus dem nichteuropäischen Raum liefern wertvolle Erkenntnisse über die Seefahrer anderer Kulturen und deren technische Standards. Und mit diesen Seefahrern reisten nicht nur wertvolle Handelsprodukte und Artefakte, sondern auch Ideen. Wie das alles zusammenhängt, ist in dem aufschlussreichen Begleitband zur Ausstellung in Roskilde nachzulesen – auf Englisch:

Sören M. Sindbaek and Athena Trakadas (Hrsg.):  The World in the Viking Age, The Viking Ship Museum Rosklide 2014. 140 Seiten, 139 Dänische Kronen.

Weitere Informationen: www.vikingeskibsmuseet.dk/de

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