Ausstellung : Mit Licht gezeichnet

Eine neue Berliner Galerie für Illustrationen zeigt Bilder von Felix Mertikat, dem Zeichner der Graphic Novel „Jakob“.

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Bedingt niedlich. Jakob auf seiner Reise zur verstorbenen Mutter. Foto: Ida Illuster
Bedingt niedlich. Jakob auf seiner Reise zur verstorbenen Mutter. Foto: Ida Illuster

Jakob ist acht, als man ihm sagt, dass seine Mutter auf eine lange Reise gegangen sei. Doch eigentlich heißt das: Die Mutter ist tot. Jakob, mit riesigen Segelohren, Hasenscharte und Stupsnase ausgestattet, versteht die Nachricht wörtlich und macht sich ebenfalls auf den Weg, in eine märchenhaft-phantastische Welt. Der junge Künstler Felix Mertikat hat diese Graphic Novel mit feinem Bleistift und zarten Aquarelltönen gezeichnet. Die Originale hängen in der Galerie Ida Illuster, die mit dieser Ausstellung ihren Einstand in der Berliner Galerienszene gibt. Und, wie der Name bereits vermuten lässt: Galeristen Ursula Kleuters hat sich auf Illustrationen spezialisiert.

Mertikat hat an der Filmakademie Baden-Württemberg studiert. Das sieht man auch, abgesehen davon, dass er ein sehr guter Zeichner mit Sinn für lebendige Körper und Gestik ist. Der 28-Jährige lässt Bildrahmen sich überschneiden und schafft so Tempo in der Erzählung, seine Striche finden ihre eigenen Wege, und immer wieder tun sich Fenster innerhalb des Blattes auf, in denen er die Geschichte fortführt. Für „Jakob“ wurde Mertikat 2010 auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Sondermann-Newcomer-Preis geehrt, eine der wichtigsten Auszeichnung für Comiczeichner in Deutschland.

Mit Mertikat vermittelt Galeristin Kleuters bereits eine Vorstellung, wohin das Programm führen soll: Denn die Geschichte um Jakob klingt zuckersüß, ist es aber nicht. Zwar hat Mertikat ein Gespür für rührende Szenen, eine leichthändiges Gefühl für Warmes und Menschliches, aber der Comic ist auch düster und bissig, die Gestaltung raffinierter als in den meisten Bilderbüchern. „Mir hat sich ein Künstler vorgestellt, der Illustrationen mit Licht macht“, erzählt die Galeristin. Die Originale hängen einzeln an den Wänden (3200-3800 Euro), manche werden nur als Paar verkauft. Was Illustration alles sein kann? Kleuters sucht nicht nur außergewöhnliche Positionen, sie möchte ihre Räume in Mitte auch für die Debatte öffnen und international bekannt werden. „Ich könnte mir Lesungen und Symposien vorstellen.“

Die Szene für angewandte Kunst und Grafik ist groß, in Berlin hat sie jedoch nur wenige Schaufenster – und umgekehrt gibt es nur wenige Orte für Liebhaber. So das jährlich stattfindende Festival „Illustrative. Die Macher, Pascal Johanssen und Katja Kleiss, verantworten außerdem seit Sommer letzten Jahres das „Direktorenhaus“, eine Mischung als Galerie, Ausstellungsraum und Werkstätten – in dem sie jedoch neben der Illustration auch Kunsthandwerk präsentieren.

Ursula Kleuters lebt seit 15 Jahren in Berlin. Früher hat sie als Talentscout für Kodak junge Fotografen aufgespürt oder als Redakteurin der „Vogue“ Bildstrecken konzipiert. Beides kommt ihr nun gelegen. Illustrationen erzählen wie gute Fotoserien Geschichten. Über viele Jahre sei die Idee einer Galerie für Illustration gereift: „Wie der Kunstmarkt darauf reagiert, habe ich mir nicht überlegt, vielleicht ist das besser so.“
Ida Illuster, Sophienstr. 32; bis 27. 11., Sa 11-18 Uhr, So 12-18 Uhr. Die nächste Ausstellung mit Arbeiten von Barbara Yelin wird am 2.12. eröffnet.

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