Ausstellung : Nadine Fecht: Im Echoraum

Muster und Notationen: Ein großartiger Auftakt der jungen Künstlerin Nadine Fecht in der Galerie Fruehsorge.

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Mit Sogwirkung. Die drei Meter lange Zeichnung „Radiohorizont“. Foto: Fruesorge
Mit Sogwirkung. Die drei Meter lange Zeichnung „Radiohorizont“.Foto: Fruesorge

Brennendes Weiß empfängt den Betrachter. In gleißender Helligkeit wird er für das Rauschen, die Frequenzen und jenes Echo präpariert, das Nadine Fecht in ihren Arbeiten freisetzt. Zu hören ist kaum etwas, gerade einmal knackt es in den Kopfhörern, über die man die Geräusche einer anachronistischen Schallplatte vernehmen kann. Dafür entfachen die schwarzweißen Zeichnungen einen Wirbel an Mustern und Notationen, der Schwindel verursachen kann.

Die Galerie Fruehsorge zeigt Fechts erste Einzelausstellung „field recording“. Im vergangenen Jahr war die Meisterschülerin von Lothar Baumgarten an der Universität der Künste (UdK) noch Stipendiatin der Karl-Hofer-Gesellschaft, nun folgt eine Unterstützung durch die Akademie der Künste. Die junge Künstlerin kann solche finanziellen Auszeichnungen brauchen, wenn sie – wie im Fall von „Echo“ (2011) – zwei Monate über einer Zeichnung sitzt. Ein Blatt, dessen dichte Strukturen am ehesten jenem nervösen Zickzack ähneln, das man früher auf dem analogen Bildschirm bei der Suche nach einem Programm produzierte. In Nahsicht lösen sich die feinen Striche dann allerdings auf und sorgen für heftiges optisches Flimmern.

Als Material dient simples Kohlepapier. Die hauchdünne Kohle auf der Unterseite färbt Fechts Blätter, sobald sie mit dem Kugelschreiber oder Bleistift ihre Striche über das Durchschlagpapier zieht. Auch das ein überkommenes Arbeitsmittel, dessen Wirkung jedoch frappiert: Die feine, schwarze Schicht auf den Zeichnungen übermittelt Spuren der Handarbeit ohne jeden Duktus (Preise: 350–9000 Euro). Stattdessen überwältigt Fecht mit dem Großformat „Radiohorizont“ (2011) dessen suggestive Kraft ebenso auf dem geometrischen Op-Art-Muster beruht wie auf dem Eindruck einer hoch konzentrierten, fast obsessiven Tätigkeit. Zum Ausgleich kann man die Kopfhörer aufsetzen und dem leisen Knistern zuhören, das Fecht auf Vinyl sampelt: 53 Anfänge von Schallplatten, die selbst Musik sind.

Galerie Fruehsorge, Heidestr. 46–52 (Gebäude 6); bis 25.2., Di–Sa 11–18 Uhr

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