Kultur : Ausstellung: Noblesse im Container

Jürgen Tietz

Zum stimmigen Ambiente fehlt nur der Baustellendreck. Petra und Paul Kahlfeldt eröffnen den Besuchern in der Galerie "suitcase architecture" mit Billig-Keksen auf einem Holzimitat-Tisch und Arbeitsschutz-Plakaten Einblick in den zweifelhaften Charme eines Bauleitungscontainers. Dazu lädt ein Regal mit Aktenordnern zum Studium von Plänen ein. Hier wird Architektur im Entstehungsprozess gezeigt - entsprechend dem Konzept der jungen Galerie. Als überhaupt nicht billig erweist sich dagegen das gerade fertig gestellte neue Wohnhaus aus dem Büro Kahlfeldt, dem sich die kleine Ausstellung in der Choriner Straße eigentlich widmet. Es ist an einer Hamburger Nobeladresse entstanden. Das Haus bietet die Ansicht einer klassischen Villa, uminterpretiert zum Mehrfamilienhaus: Auf drei Stockwerken plus einem staffelartig zurückgezogenen Dachgeschoss haben die Kahlfeldts sieben Luxuswohnungen untergebracht.

Umgeben wird das Haus von einem parkartigen Grundstück. Die hell verputzte Fassade mit ihren horizontalen Geschossbändern aus Naturstein gibt sich abstrakt klassizistisch und nimmt sich dabei hanseatisch zurück. Wintergärten, hohe Flexibilität beim Innenausbau und ein lärmschluckendes Mauerwerk machen deutlich, dass hier Qualität bis ins Detail regiert. Soviel Noblesse hat natürlich ihren Preis, bei dem selbst solvente Käufer in der Hauptstadt abwinken dürften. Hamburg ist eben ein feines Pflaster.

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