Ausstellung : Raus in den Garten

Der Neuer Berliner Kunstverein zeigt Zeichnungen von Leipziger-Schule-Vertreter Matthias Weischer.

Nicola Kuhn

Bekannt geworden ist er durch seine subtilen Interieurs, klaustrophobische Räume, in denen mit höchster malerischer Delikatesse die Düsternis regierte. Diese Bilder wurden Matthias Weischer nur so aus der Hand gerissen. Auf den internationalen Auktionen schnellten seine Preise rasant nach oben. Der nach Neo Rauch bekannteste Vertreter der so genannten Leipziger Schule hätte immer so weitermalen können. Der Erfolg schien programmiert, nicht zuletzt mit David Hockney als Mentor. So stapften die beiden im Rahmen der Anzeigenkampagne eines Uhrenherstellers an diversen Gemälden vorüber.

Doch schon seine jüngste Ausstellung in der Galerie Eigen + Art im vergangenen Jahr zeigte, dass sich langsam ein Fenster öffnete in den finsteren Bildern und da und dort auch mal Sonne aufging. Ein Jahr im Lichte des Südens als Stipendiat der Villa Massimo in Rom hat nun offenbar eine vollkommene Durchlüftung herbeigeführt. Statt Ölgemälden zeigt der 34-Jährige jetzt im Neuen Berliner Kunstverein Zeichnungen, die unter freiem Himmel entstanden sind. Und plötzlich eröffnet sich eine Leichtigkeit der Formen, eine Zartheit der Farben, die man vorher nicht für möglich hielt.

Ein weiterer Überraschungseffekt: Es ist die erste Einzelpräsentation Matthias Weischers in einer öffentlichen Institution in Berlin – ein Coup, ähnlich wie 2003 die Schau von Daniel Richter, bei der man ebenfalls nicht glauben wollte, dass sich die Museen diese Gelegenheit entgehen ließen. Der Neue Berliner Kunstverein erweist sich hier erneut als Schnellboot im Vergleich zu den institutionellen Tankern. Demnächst mit neuem Kapitän. Nicola Kuhn

Neuer Berliner Kunstverein, Sa 10.11. bis So 23.12., Di-Fr 12-18 Uhr, Sa/So 14-18 Uhr, Eintritt frei

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