Ausstellung : Romantiker auf hoher See

Die achte Fine Art Fair in Hamburg kombiniert Antikes mit aktueller Kunst

Claudia Herstatt

Ihrem Anspruch mehr als gerecht wird die achte Fine Art Fair im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. 20 Kunsthändler aus Deutschland und Österreich offerieren Kunst von der Antike bis zur Gegenwart auf oberstem Niveau. Und im als kühl und zurückhaltend geltenden Hamburg gestaltete sich nicht nur die Vernissage zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Sie zog dazu ein Publikum an, das auch Erstaussteller wie den Antiquitätenhändler Hubertus Erfurt und den Experten außereuropäischer Kunst, Dierk Dierking, beide aus Köln, überzeugte.

Kein Wunder, denn die Geschäfte der Händler, von denen fast die Hälfte auch auf der Tefaf in Maastricht ausstellt, liefen gut. Thomas le Claire (Hamburg) verkaufte am Eröffnungsabend Max Liebermanns Ölbild "Hofecke in Weimar" von 1870 aus der Provenienz des Berliner Verlegers Paul Cassirer. Thole Rotermund (Hamburg) war mit Arbeiten auf Papier erfolgreich und konnte eine Reservierung für ein Aquarell von Emil Nolde vormerken (270.000 Euro). Bei Hubertus Erfurt (Köln) begeisterte sich ein russisches Paar für einen zwei Meter hohen Standspiegel aus der kaiserlichen Garderobe des Anitschkow-Palastes in St. Petersburg (40.000 Euro). Die offene Inszenierung jenseits von eingekastelten Ständen macht die Atmosphäre der feinen Verkaufsschau ebenso aus wie ein Crossover verschiedenster Epochen und Stile. Die Galerie Jablonka (Köln/ Berlin) hat sich von dem Kölner Antikenhändler Gordian Weber aufs Hamburger Parkett verführen lassen, gemeinsam haben sie nun eine Präsentation im Spannungsfeld von zeitgenössischer Kunst und Antike konzipiert. Da korrespondiert ein großes Seegemälde von Alex Katz mit einem römischen Relief. Besonders reizvoll ist die Kombination eines winzigen hellenistischen Totenschädels (55.000 Euro) mit einer überlebensgroßen Darstellung des Sujets von Miquel Barceló (215.000 Euro).

Salis und Vertes aus Salzburg hat sich mit Dierking und seinen außereuropäischen Skulpturen verbündet. Da wird vor einem Gemälde von Max Pechstein, das nach seiner Südseereise 1914 entstand, eine Figur der Baule von der Elfenbeinküste aus dem frühen 20. Jahrhunderts postiert (100.000 Euro). Bei Bernheimer Fine Old Masters (München) begegnen sich Altmeistergemälde mit Fotografien von Guido Mocafico, der Gegenstände so arrangiert, dass sie aussehen wie Stillleben des 17. Jahrhunderts.

Mit einem sensationellen Fund kann der Hamburger Frank C. Möller aufwarten: einem Stehpult aus der Werkstatt von David Roentgen um 1775. Was er auf Verdacht hin in London erwarb, scheint der Recherche nach für den Leiter der Manufaktur selbst entworfen worden zu sein (580 000 Euro). Die Kunsthandlung C.G. Boerner (Düsseldorf) ist mit Druckgrafik und Handzeichnungen vom 15. bis 19. Jahrhundert dabei. Von 1833 stammt das Ölgemälde auf Papier "Trauerndes Mädchen auf einem Friedhof" des Romantikers Ludwig Emil Grimm, dem jüngsten Bruder von Jacob und Wilhelm Grimm. Auch wenn das Blatt nach der Eröffnung noch zu haben war, zeigte man sich wie schon im vergangenen Jahr mit den Verkäufen zufrieden.

Angeboten werden asiatische Porzellane, alter Schmuck bei Ulf Breede (Berlin), Möbel und Silber bei Kunsthandel Kratz (Hamburg) und Fotografie bei Flo Peters Gallery (Hamburg).

"Ich kenne keine Messe", sagt Dierking, "die so persönlich und angenehm wie diese ist." Da geben ihm viele recht.

Fine Art Fair Hamburg, noch bis 28. September; www.fine-art-fair.de.

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