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Ausstellung : Satan mit blauen Augen

16.06.2012 00:00 Uhrvon
Grundlagenforschung: Für das Bild "Zum farbigen Gestalten" übermalte der Künstler eine DDR-Schautafel. Illustration: AtakBild vergrößern
Grundlagenforschung: Für das Bild "Zum farbigen Gestalten" übermalte der Künstler eine DDR-Schautafel. - Illustration: Atak

Sampler der Genres und Kunstepochen: Der Comiczeichner Atak zeigt Arbeiten in der Berliner Galerie Ida Illuster.

Nicht alles gelang ihm so heiter wie die Abenteuergeschichten von Huckleberry Finn und Tom Sawyer. Mark Twains Spätwerk „Der geheimnisvolle Fremde“ ist eine düstere Abrechnung mit der Gesellschaft. Satan kommt auf die Erde und klärt drei Jungen über Gut und Böse auf – wobei die Menschen im Gegensatz zu den Tieren schlecht wegkommen. Der deutsche Künstler Atak las die Geschichte als 11-Jähriger, seitdem lässt sie ihn nicht mehr los. Jetzt hat er den Text illustriert, im Herbst soll das Buch bei Carlsen erscheinen. Die Originale hängen zurzeit an den Wänden der Galerie Ida Illuster. „NeoFabulist“ ist die fünfte Ausstellung der noch jungen Adresse für Illustrationen.

Twains Erzählung spielt in einem österreichischen Dorf im Jahr 1590. Atak, der eigentlich Georg Barber heißt und Professor für Illustration an der Burg Giebichenstein in Halle ist, verwendet Farben, wie sie auch Pieter Breughel der Ältere hätte verwenden können: warme Gelbtöne, Braun, zartes Grün. Allerdings ist Ataks Stil alles andere als altmeisterlich. Der Künstler, 1967 in Frankfurt (Oder) geboren, kommt aus der Comicszene und ist Mitbegründer der Berliner Gruppierung Renate, die ein gleichnamiges Magazin herausbringt.

So kann man Ataks Bilder, auch die in der Ausstellung präsentierten freien Malereien, nach kleinen Strichmännchen mit Knollennase absuchen (2600 - 3800 Euro). Irgendwo versteckt sich immer eins. Atak sampelt Genres und Kunstepochen wie ein DJ Musik. Eine Figur sieht der Simonetta Vespucci von Sandro Botticelli ähnlich, ein Fabelwesen von Hieronymus Bosch huscht vorbei, und aus einem Bilderrahmen winkt eine Bikini-Schönheit von Roy Lichtenstein. Manches erinnert an sozialistischen Realismus, anderes an bäuerliche Volkskunst. Atak betont gern die Fläche: mit poppigen Punkte-Rastern, altmodischen Ornamenten und psychedelischen Strahlenkränzen. Satan wirkt mit seiner keck nach oben wippenden blonden Haarlocke und den blauen Augen irritierend sympathisch.

Häufig malt Atak auf gebrauchtem Papier. Unter seinem Anti-Kriegsbild „Suicide“ schimmert eine alte Landkarte durch. Für das Werk „Zum farbigen Gestalten“ übermalte er eine DDR-Schautafel mit Farbkreisen und ließ einzelne Stellen frei, so dass sich der kräftige Hintergrund mit dem Stillleben aus seiner Hand vermischt. Selbst wenn er ungebrauchte Materialien nutzt, schichtet er mehrere Ebenen aus Kreide, Acryl und Pastell übereinander. Da blitzen Gesichter unter einer grünen Lasur hervor, als könnte der Zeichner den eingefrorenen Zustand seiner Szenerien aufheben. Als hielte seine Erzählung mehr als nur die Oberfläche bereit, Ahnungen, Wiedergänger, kosmologische Verbindungen.

Ida Illuster, Sophienstr. 32, Berlin-Mitte, bis 18. 6., Sa 11 - 18 Uhr, Mo 11 - 17 Uhr

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