Ausstellung "Wien Berlin" : Die Neue Frau

In Wien wurden die Damen verklärt und aufwändig dargestellt. In Berliner Porträts erscheinen sie eher nüchtern – hier waren sie häufig aktiver Teil der Kunstszene.

Tatjana Kerschbaumer
Otto Friedrich, Mitbegründer der Wiener Secession, porträtierte Elsa Galafrés 1908.
Otto Friedrich, Mitbegründer der Wiener Secession, porträtierte Elsa Galafrés 1908.Foto: elvedere, Wien

Frauen, die Gustav Klimt Modell standen, waren vom Ergebnis nicht immer begeistert. Obwohl der Maler sie schlank, schön und als „ewige Rätsel“ inszenierte, hätten sie sich lieber anders gesehen. Braver vielleicht, biederer, zumindest: gesellschaftlich auf eine diffuse Art verträglicher. Die Abneigung gegenüber Klimts Arbeit ging bei einigen Porträtierten so weit, dass sie die eigene Darstellung in die Abstellkammer verbannten.

Margarethe Stonborough-Wittgenstein beispielsweise, deren 1905 geschaffenes Porträt mittlerweile in der Neuen Pinakothek in München hängt, war so ein Fall. Ihr Bildnis zählt heute zu Klimts beeindruckendsten und konzentriertesten Arbeiten, in dem Geometrie und Naturalismus subtile Gegensätze bilden. Klimt und die Frauen, das war ohnehin eine Sache für sich: Er liebte sie, hatte gleichzeitig Angst vor ihnen, kam aber niemals von ihnen los. Unzählige Bücher, die sich mit seiner Biographie befassen, stellen nicht umsonst fest: „Frauen waren Klimts Thema.“

Diese Aussage traf natürlich nicht nur auf Klimt zu. Gerade auf dem Höhepunkt seines Schaffens um die Jahrhundertwende änderte sich das Frauenbild drastisch – sowohl im gesellschaftlichen Leben als auch in der künstlerischen Darstellung. Mit dem Aufkommen der Wiener und Berliner Secession waren sich Kunstsinnige beider Städte in ihrem „Kampf für Neues“ einig – gerade auch, was das Bild der Frau anging.

Obwohl Wiener und Berliner Künstler unterschiedliche Konzepte der Moderne verfolgten, beobachteten und inspirierten sie sich gegenseitig, insbesondere auf der III. Deutschen Kunstgewerbeausstellung 1906 in Dresden. Dort wurde gleichzeitig zum künstlerischen Dialog das Ende des Jugendstils besiegelt. Neue Leitbilder wie Sachlichkeit, Schlichtheit und eine gewisse Gediegenheit sollten die Kunst fortan dominieren.

In Wien hatte diese Moderne schon ab 1890 Einzug gehalten, als Oskar Kokoschka, Egon Schiele und Gustav Klimt sich vom reinen Naturalismus abwandten und sich Arbeiten aus dem Inneren des Menschen und seiner Psyche widmeten. 1897 gipfelte diese Gegenströmung zur bisherigen Kunst der K.-u.-k-Monarchie in der Wiener Secession: einer Künstlervereinigung, der auch Architekten wie Josef Plecnik und Dichter wie Hermann Bahr angehörten. Nur ein Jahr später gründete sich die Berliner Secession, auch sie eine Abspaltung von Künstlern, die nicht mehr dem akademischen Leitbild der zeitgenössischen Kunst folgen wollten.

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