AUSSTELLUNGBadegeschichte in Potsdam : Durchs Astloch gelugt

Heidi Jäger

Im Potsdam-Museum kann man derzeit mitten in der Stadt sein Gemüt kühlen. Denn nicht nur ein hölzernes Badehaus, wie es einst die Havelgewässer säumte, ist dort zu besichtigen. Es gibt auch ein Planschbecken, das für alle Badehungrigen geflutet wurde. In welcher Garderobe man dieses übersichtliche Nass besteigt, dafür gibt die Ausstellung „Sommer, Sonne, Havelstrand – Baden in Potsdam“ viele Anregungen. Vom beinlangen „Strampler“ bis zur Dreiecksbadehose reichen die Modelle, die in der luftig-leichten Schau hinter Kabinentüren zu erspähen sind.

Gucken ist hier durchaus erlaubt. Nicht nur heimlich durch ein Astloch. Die Ausstellungsmacher ließen sich in ihrem Kabinen-Nachbau vom einstigen Werner-Alfred-Bad inspirieren. Leihgaben Potsdamer Bürger, vom Badeanzug über die Fotografie bis zum „Seepferdchen“, lassen Erinnerungen an die ersten eigenen Schwimmzüge hochschwappen. Eine große Stadtkarte zeigt die einstigen Badestellen: die Militärschwimmanstalt an der Heiliggeistkirche, an der versteckt hinter hohen Planen die Soldaten nackt ihre Körper ertüchtigten, oder die allseits beliebte Badeanstalt am Luftschiffhafen, in der nicht nur die vereinten „Freien Schwimmer 1912“ ihre übersichtlichen Bahnen zogen. Einer, der das Baden in Potsdam besonders beförderte, war der Pädagoge und heutige Ehrenbürger, Wilhelm von Türk. Er richtete an der Holzmarktstraße eine Städtische Flussbadeanstalt ein, die man auf einem Foto von 1938 betrachten kann. Mehr und mehr ging es ins Freie hinaus, auch wenn die Freizügigkeit damals noch sehr versteckt blieb. Heidi Jäger

Potsdam-Museum, bis Mi 3.10., Di-So 10-18 Uhr, 3/2/1 €

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