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Museum Berggruen : Ein großes Erbe

31.05.2008 21:51 UhrVon Bernhard Schulz
Berggruen Foto: ddpBild vergrößern
Nicolas Berggruen (r.) und Olivier Berggruen, Söhne des Kunstsammlers Heinz Berggruen. - Foto: ddp

Berliner Glücksfall: Das Museum Berggruen wird um ein Gebäude erweitert, die Sammlung wächst um 70 Dauerleihgaben.

Manchmal hat Kunst, hat Kunstsammeln auch hierzulande etwas mit Glanz zu tun, nicht allein mit dem materiellen Glanz des schieren Besitzes, sondern auch dem ideellen. Heinz Berggruen war der Glücksfall eines Sammlers – sein Brotberuf als Kunsthändler tut gar nichts zur Sache –, der solchen Glanz nach Berlin brachte und, dank glücklicher Umstände, auf Dauer zu installieren vermochte. Das Museum, das seinen Namen trägt und die von ihm erworbenen Schätze zeigt, hat sich rasch zu einem dauernden Glanzlicht der Berliner Kulturlandschaft entwickelt, und „was einem Museum Leben gibt, ist nicht nur, was in ihm ist, sondern auch, was mit ihm Neues geschieht“.

So jedenfalls hat es Nicolas Berggruen, einer der Söhne des Sammlers, am Freitagabend formuliert, als er gemeinsam mit seinem Bruder Olivier und der Mutter Bettina, der Witwe des im Februar vergangenen Jahres 93-jährig verstorbenen Heinz Berggruen, die Pläne zur Erweiterung des Charlottenburger Museums vorstellte.

Das nämlich bekommt ein zweites Haus hinzu, und zwar das benachbarte Gebäude am Spandauer Damm, Ende des 19. Jahrhunderts in noblem Respekt vor dem Stülerschen Eckhaus errichtet. Rund 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche werden so gewonnen, dazu Nutzflächen für die technischen Belange des Museums. Ein kleiner, am Freitag entschiedener Wettbewerb galt der Verbindung beider Gebäude. Das Berliner Büro Kühn Malvezzi, mit dem Umbau der Rieck-Hallen hinter dem Hamburger Bahnhof für die Sammlung Flick bekannt geworden, erhielt den Zuschlag. Die hochgewachsenen Brüder Kühn strahlten, als ihr zurückhaltender Entwurf von allen Beteiligten in höchsten Tönen gelobt wurde: Eine stählerne, verglaste Pergola verbindet beide Gebäude entlang des Spandauer Damms. Sie ist als geschlossenes Bauwerk kaum auszumachen, sondern verweist als ein Stück Gartenarchitektur auf das dahinter liegende, baumbestandene Areal, das als Skulpturengarten genutzt und, anders als von weiteren Wettbewerbsteilnehmern vorgeschlagen, von jeder Bebauung frei bleiben soll. Der wilhelminische Altbau wird im Inneren streng symmetrisch geordnet und erhält auf jeder der drei Etagen vier Ausstellungsräume in den Gebäudeecken. Damit knüpft die innere Organisation an den Stülerbau an, wo sich die Ausstellungsräume, wenn auch mehr an der Zahl, ebenso gleichförmig um den Gebäudekern anordnen. 4,2 Millionen Euro sind für die Baumaßnahmen veranschlagt, die sich über zwei Jahre, von Ende 2009 bis Ende 2011, erstrecken sollen. Finanziert werden sie vom Bund, wie alle Vorhaben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die das Museum Berggruen innerhalb ihrer Staatlichen Museen betreibt. Gebäude und Grundstück stellt das Land Berlin zur Verfügung; es sei dies hervorgehoben, ist doch das Engagement des klammen Landes längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Warum überhaupt die Erweiterung? Weil die Sammlung wächst. Das war und ist der Auslöser: Die Familie Berggruen stellt 70 weitere Werke der „Hauskünstler“ Picasso, Matisse und Klee als Dauerleihgaben zur Verfügung; man erinnert sich, dass so, mit vorsichtigen Leihgaben, einst das Berggruensche Engagement für seine Geburtsstadt Berlin begonnen hat. Die seitdem schön erblühte dauerhafte Zuneigung wird künftig auch von dem im vergangenen Sommer begründeten „Förderkreis des Museums Berggruen e.V.“ mitgetragen, der am Freitag seine erste reguläre Sitzung abhielt – und sich im Verhältnis zum Verein der Freunde der Nationalgalerie positionieren musste. Förderkreis-Mitbegründer Michael Blumenthal, Direktor des Jüdischen Museums Berlin und ein Weltbürger wie die Berggruen-Söhne, die gleich einen Schwung internationaler Bekanntschaften für den Verein zu begeistern vermochten, klärte die aufkeimenden Konkurrenzängste, die durch die Teilnahme sämtlicher gewesener, amtierender und zukünftiger Präsidenten der PreußenStiftung und Museums-Generaldirektoren ohnehin beschwichtigt sein mussten.

Und, als ob des Guten nicht genug geschehen wäre, fand beiläufig Erwähnung, dass Bettina Berggruen aus eigenem Besitz Werke von Paul Cézanne für das erweiterte Museum beisteuern wolle. Bezeichnet nicht der Name Cézanne den dunklen Fleck auf der strahlenden Schenkung Heinz Berggruens? Denn die Cézannes gab er seinem Freund Simon de Pury zur Auktion, und so ging die grandiose Berglandschaft „Montagne Sainte-Victoire“ im Mai 2001 Berlin verloren. Jetzt besteht Aussicht, den damaligen Verlust endlich zu verwinden.

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