Art Basel : An die Wertarbeit

Qualität statt Glamour: Basel als Messeplatz ist solide wie immer – und setzt doch ein Zeichen.

Christiane Meixner

Hey, der sieht aus wie Brad Pitt. Dass es tatsächlich Brad Pitt ist, der lässig an einem vorbei durch die Hallen der Art Basel streift, begreift man erst Sekunden später. Dabei sind sie kürzlich noch alle gekommen: Iggy Pop auf den glamourösen Ableger der Schweizer Kunstmesse in Miami, Kate Moss, Claudia Schiffer und Gwyneth Paltrow zur turbulenten Frieze Art Fair in London. Basel aber tickt anders – auch oder gerade in diesem Jahr, das den US-Kunstmessen schwache Umsätze beschert, weil die wirtschaftliche Situation instabil geworden ist.

„Gedämpft“ findet eine Besucherin denn auch die Atmosphäre der Baseler Messe. Das lässt sich am Eröffnungstag jedoch schnell mit der konzentrierten Atmosphäre erklären, die beim professional view unter den geladenen Gästen herrscht: Sammler aus aller Welt, die mit Tempo über die Stände ziehen, damit ihnen ja kein anderer das begehrte Bild oder die gesuchte Skulptur vor der Nase wegschnappt. Dabei hat die Art Basel traditionell nicht nur die schönsten und teuersten Arbeiten im Angebot. Namen wie Pablo Picasso, Jackson Pollock, Andy Warhol oder Damian Hirst tauchen überdies stets an mehreren Ständen auf. Doch auch auf der aktuell wichtigsten Kunstmesse macht sich inzwischen die Konkurrenz der großen Auktionshäuser bemerkbar. Spitzenstücke wie das Tryptichon „Studies on the Human Body“ (Marlborough, 80 Mill. Dollar) von Francis Bacon, der dank Sotheby’s im Mai zum teuersten Maler der Gegenwart aufgestiegen ist, sind rarer geworden, weil ihre Besitzer auf immer neue Preisrekorde hoffen und lieber auf Auktionen verkaufen.

Noch aber reicht die Kunst für alle und bringen manche so viel davon nach Basel mit, dass die Kojen letztlich darunter leiden. Wer wie die Galerie Hans Mayer aus Düsseldorf zwei großartige Gemälde von Markus Oehlen mit einer monströsen Figur von Niki de Saint Phalle zusammenstellt, muss sich nicht wundern, wenn die benachbarte Wandarbeit von Tom Wesselmann im Grunge der Stile nach Kunsthandwerk statt Pop-Art aussieht. Gleich daneben zeigt Max Hetzler, wie man es besser macht: Der Galerist aus Berlin kombiniert eine Softskulptur von Ernesto Neto mit zwei großen Knäulen aus Stahlwolle von Marepe und hängt die Bilder im Übrigen sparsam.

Der Kurs zur kuratierten Koje, mit der man sich vom Nachbarn abhebt, obwohl die Kunst auch dort von erster Qualität ist, setzt sich fort. So fällt in der unteren Halle die Nahmad Helly Gallery aus London mit schwarzen Wänden im abgedunkelten Raum auf, in dem 16 Gemälde von Joan Miró (1936) leuchten: prominente Leihgaben und verkäufliche Bilder, an denen garantiert keiner vorübergeht. Auch in der oberen Etage, der festen Adresse für die zeitgenössische Kunst, verzichten viele Galeristen auf eine quantitative Leistungsschau. Neugerriemschneider aus Berlin etwa vertrauen lieber ihren Künstlern und lassen sich von Jorge Pardo, Olafur Eliasson und Isa Genzken eine Koje inszenieren, die kühn und klar hervorsticht. Davon wünscht man sich mehr im visuellen Überfluss jener knapp 300 Galerien, die die Jury in diesem Jahr passierten – von über 1000 internationalen Bewerbern, so vielen wie nie.

Diese gnadenlose Konkurrenz mag dafür sorgen, dass die meisten Teilnehmer der Art Basel auf vertraute Namen und deren teure Arbeiten setzen. Experimentelles wie jenen imposanten Nutella-Haufen von Thomas Rentmeister (48 000 Euro, bei Aurel Scheibler), der als Künstler arriviert und dennoch nicht leicht verkäuflich ist, oder die verstörenden Ost-West-Dialoge auf den Fotografien von Hasan und Husain Essop, die in der Goodman Gallery aus Johannesburg gerade einmal 1150 Euro kosten (Auflage: 8), muss man suchen. Andere mögen den Glamour vermissen, der die Kunstmessen noch vor kurzem begleitete. In Basel sind die Partys weniger, die Gespräche über Kunst dafür wieder profunder geworden. Und vielleicht glaubt man deshalb erst einmal an ein Double statt an den echten Brad Pitt. Der neue Star ist die Kunst.

Art Basel, Messe Basel , Halle 1+2; noch bis 8. Juni, 11-19 Uhr. www.artbasel.com.

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