Art Cologne : Schlanker Schick

Weniger Galerien, mehr Spaß im jungen Bereich: Die Art Cologne ist auf dem Weg der Besserung

Christiane Meixner
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Sinnbild der Krise. Junge japanische Anzugträger in Warteposition. Eine Performance der Rumänin Anca Muntaneanu Rimni in der Koje...

Kleiner ist die Veranstaltung geworden und in diesem Jahr noch einmal um 50 Galerien auf 180 Teilnehmer geschrumpft. Wer die Art Cologne aus ihren Hoch-Zeiten kennt, der weiß, was für ein Kunstkoloss da früher in den Messehallen wartete – kaum zu bewältigen, unübersichtlich, ermüdend. Das ist Geschichte. Mit den Bemühungen des neuen Messechefs Daniel Hug um eine schlanke, elegante Präsentation kehren auch jene an den Rhein zurück, die hier lange nicht gesichtet wurden: die britische Galerie Annely Juda, Guelman aus Moskau oder Hans Mayer aus Düsseldorf, der die Art Cologne in den vergangenen Jahren heftig kritisierte. Nun sitzt er mit Christian Nagel in der Jury, um über Zulassungen und Absagen zu entscheiden.

Daniel Hug ist damit ein kleiner Coup gelungen. Er holte sich die ehemaligen Kritiker mit ins Boot, als künftige Verbündete, denn der nächste Ärger drohte schon: Die Zahl der Ausjurierten ist hoch wie nie. 80 Galerien sind erstmals in Köln dabei oder aber zurückgekehrt. Entsprechend viele, teils langjährige Teilnehmer mussten weichen. Hoch also schlugen die Wellen der Empörung, denen sich das Art-Cologne-Team ausgesetzt sah. Doch der Zank hat sich gelohnt. Den Organisatoren gebührt Lob dafür, dass sie die Messe konsequent verkleinert und auf ein neues, experimentelles Niveau gehoben haben, statt den einst wichtigsten deutschen Kunsthandelsplatz weiter vor sich hindümpeln zu lassen.

Auf nur noch zwei Etagen entfaltet sich jetzt ein Panorama der Klassischen Moderne bis zur unmittelbaren Gegenwart. Preisriesen wie in Miami, wo Bilder von Francis Bacon noch im Dezember im zweistelligen Millionenbereich angeboten wurden, sucht man vergeblich. Teuerstes Gemälde ist mit 2,3 Millionen Euro Ernst Ludwig Kirchners „Nacktes Mädchen auf Divan“ (1924) bei der Schweizer Galerie Henze und Ketterer. Ansonsten besinnt man sich auf die Nachkriegsgeneration und bietet mit Emil Schumachers Leinwand „Monzuba“ bei Maulberger (München) oder einem frühen Scheibenbild von Ernst Wilhelm Nay von 1957 (85 000 Euro) abstrakte Malerei der ersten Garde zu reellen Preisen an.

Gerahmt werden die Werke von Baselitz, Polke, Gerhard Richter. Während der klassische Sektor im unteren Stockwerk mit Galeristen wie Koch aus Hannover, der Kölner Orangerie-Reinz oder der famosen Galerie Simonis aus Düsseldorf mit ihren afrikanischen und ozeanischen Skulpturen kompakter wirkt, ansonsten jedoch unangetastet bleibt, spielt die obere Etage schier verrückt. Aus dem „Open Space“, der eher wilden Sektion vergangener Jahre mit ihren offenen Strukturen, ist ein ganzes Präsentationskonzept geworden. Selbst wenn auf dem Faltplan alles überschaubar wirkt: Wer sich auf den mäandernde Weg durch Galerien wie Bortolozzi oder Circus (beide Berlin), Thomas Zander (Köln), Eva Winkeler (Frankfurt am Main) macht, der verliert nach zehn Minuten garantiert den Überblick. Dafür begibt er sich auf eine Abenteuerreise durch die gegenwärtige Kunstproduktion. Mal endet sie in einer disneyhaften Gasse aus Charles Dickens’ Zeiten aus der Hand von Claus Richter, mal vor den leisen Zeichnungen von Marte Eknaes, die Konzentration einfordern und die es ab 500 Euro gibt.

„Befreit die Kunst aus den Kojen!“, das sei vor einem Jahrfünft ihr Motto gewesen, meinen die Erfinder des „Open Space“, Kathrin Luz, Adelheid Teuber und der Designer Meyer Voggenreiter. Mit dem Neustart der Art Cologne isoliert sich der laborhafte Bezirk nicht länger, seine Ideen greifen über auf die gesamte Etage. Mit einem nackten Fußboden wie in der Fabrik, einer Decke ohne Verkleidung und Kojenwänden, an denen vielfach die Tapete fehlt. Für die Art Cologne ist das sicher ein Gewinn. Bleibt zu hoffen, dass auch die Käufer mitziehen. Die Geschäfte um den „Open Space“ herum liefen in den ersten Tagen jedenfalls gut. Die hier angesiedelten Galerien profitieren von der unverbrauchten Ästhetik und geben sich trotzdem klassisch.

Bei Fahnemann aus Berlin sicherte sich ein Sammler auf der Vernissage die große Arbeit „AIMMAI“ von Imi Knoebel (2003) für 150 000 Euro. Ein zweiter entschied sich für eine große Zeichnung von Jorinde Voigt für 19 000 Euro. In der Koje von Bärbel Grässlin (Frankfurt am Main) klebte ein roter Punkt an den „3 Häusern“ aus Beton von Hubert Kiecol. Ein grüner zeigte, den Gerüchten zum Trotz, konstantes Interesse an Anselm Reyles gestreiften Großformaten.

Zurück auf der Art Cologne ist auch die Galerie Michael Janssen aus Berlin. Sie hat ihren Stand vom Künstler Thomas Grünfeld gestalten lassen, der sich für Farbe und graue Vorhänge an den Wänden entschied. Verkauft hat man hier in den ersten Tagen Arbeiten von Gert und Uwe Tobias. Vielleicht ist die Mixtur aus gewohnter Optik und individueller Interpretation ein Rezept für die Zukunft. Köln kehrt zurück in die obere Liga, auch wenn die außereuropäischen Galerien noch nicht überzeugen. Auf nationaler Ebene hingegen hat sich Daniel Hug prächtig aufgestellt. Wer weiß: Vielleicht nimmt er die Neonskulptur von Albert Hein selber mit, um sich bis 2010 in jedem Moment daran zu erinnern: „No risk, no fun.“

Art Cologne, Messehalle 11, bis 26. April; von 12–20 Uhr.

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