Ausstellung : Antike Automaten auf Achse

Die Sammlung Baudot aus Südfrankreich umfasst 650 historische Automaten. Sie erweitert ab sofort die Münzautomatenschau Gauselmann im nordrhein-westfälischen Espelkamp.

Stefan Clauser[ddp]
Automaten Espelkamp
650 historische Automaten zu Gast in Espelkamp. -Foto: ddp

EspelkampDie antiken Raritäten haben eine ebenso ungewöhnliche wie lange Reise hinter sich. Doch jetzt stehen 650 historische Automaten aus dem südfranzösischen Perpignan im ostwestfälischen Espelkamp. Dort unterhält der Automatenhersteller Gauselmann eine der größten Sammlungen historischer Münzautomaten aus dem In- und Ausland. Rund 150 davon sind auf dem Firmengelände in einer Dauerpräsentation zu sehen, gut 1000 weitere lagern wohlbehütet im Magazin.

Warenspender, Musicboxen, Spiel- und Geschicklichkeitsgeräte oder Geldspielautomaten: Groß ist die Bandbreite der Geräte von der zweiten Hälfte des 19. bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Chance, diesen Bestand schlagartig gewaltig aufzustocken, ergab sich Anfang 2007, als der französische Sammler Jean Claude Baudot seine seit den 60er Jahren aufgebaute Automaten-Kollektion zum Verkauf anbot. Die Espelkamper Experten waren sofort Feuer und Flamme, wie die Leiterin der Sammlung, Monika Kokoska, berichtet. "Baudots Stücke passen wunderbar in unseren Bestand", schwärmt sie.

Slot-Machines mit besonderem Wert

Zahlreiche Slot-Machines des US-Herstellers Caille sind von besonderem Wert für das Gauselmann-Museum. Aber der Expertin haben es neben diversen nie gesehenen Raritäten auch andere Stücke angetan: "Besonders gefallen mir die Geschicklichkeitsautomaten, die mit unendlich viel Liebe zum Detail und in mechanischer Perfektion hergestellt worden sind." Als Kokoska zum ersten Sondierungsgespräch nach Frankreich reiste und dort den 72-jährigen Sammler Baudot traf, kam man sich geschäftlich schnell näher.

In Espelkamp fiel kurz darauf die Entscheidung, einen siebenstelligen Betrag zu investieren. In Frankreich freute sich der Verkäufer, dass seine vielbeachtete und schon an prominenten Plätzen gezeigte Sammlung zusammenbleibt und künftig in einem Museum präsentiert wird. Das hatte er zuvor eigens besichtigt. Über den genauen Kaufpreis möchte Kokoska nicht sprechen, aber die Richtung weist ein Gutachten von 1993. Damals waren Baudots mechanische Schätze auf sechs Millionen US-Dollar taxiert worden. Im Juni ging der Handel über die Bühne. Und die Käufer aus Espelkamp standen in Südfrankreich vor der Herausforderung, die wertvolle Fracht nach Deutschland zu schaffen. 40 Tonnen brachte ihre Ladung nach zweiwöchigem Packen und Registrieren schließlich auf die Waage - inklusive Caille-Originalersatzteilen und Baudots kompletter Werkstatt.

Baudot-Sammlung ist eine "große Aufgabe"

Bei Gauselmann verschlingt jetzt die Sichtung der Stücke neben der üblichen Museumsarbeit viel Zeit. "Mit der Baudot-Sammlung haben wir eine große Aufgabe übernommen", sagt Kokoska. Aber der Einsatz lohnt sich, wie auch Bettina Rinke, Geschäftsführerin der Museumsinitiative OWL, betont. "Die Sammlung Gauselmann ist ohnehin bundesweit und international schon von überragender Bedeutung gewesen. Die steigert sich natürlich durch den Zukauf noch erheblich", sagt Rinke. Aus ihrer Erfahrung weiß sie: "Wer immer in Deutschland einen Automaten für Ausstellungszwecke benötigt, fragt zuerst in Espelkamp nach."

Jedes Gerät wird vom Mechanikerteam gründlich gecheckt. In vielen Fällen wartet Arbeit auf die Fachleute: Manche Mechanik bedarf der Auffrischung, und in dem einen oder anderen Holzgehäuse bohrt der Wurm. Was mit den Automaten-Schmuckstücken nach ihrer Restaurierung geschieht, ist noch offen. Schon denkt man bei Gauselmann darüber nach, einen Teil der Sammlung künftig dauerhaft in Berlin zu präsentieren. Und was macht Baudot? "Er hatte Tränen in den Augen. Und wir ehrlich gesagt auch", erinnert sich Kokoska an die Übergabe des Lebenswerks. Jetzt hofft die Museumsleiterin, dass der französische Geschäftspartner bald erneut den Weg nach Espelkamp findet und noch viel über seine Sammlererfahrung berichten wird.

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