Ausstellung : Bambus lässt grüßen

Die ifa-Galerie zeigt indische Innenarchitektur - klischeefrei und (fast) ohne Bollywood-Kitsch.

Jürgen Tietz

Üppige Lotusblüten, glückselig lächelnde Buddhas und stinkende Räucherstäbchen sucht man vergeblich in der aktuellen Ausstellung der ifa-Galerie, die unter dem Titel „in site“ mit der zeitgenössischen indischen Innenarchitektur vertraut macht. Einziges Zugeständnis an die in Bollywood-Kitsch schwelgende westeuropäische Erwartungshaltung sind einige Tempeltänzerinnen. Sie dienen als Dekoration auf den Spiegeln eines Fast-Food-Restaurants. Ein peppig spielerisches Moment, mit dem das Büro „Lotus Design Services“ aus New Delhi eine aus Alltagsimpressionen entwickelte Architektur-Kunst-Welt erschafft.

Ansonsten kennzeichnet die vorgestellten indischen Büros für Innenarchitektur eine klischeefreie Gestaltung auf hohem internationalem Niveau mit bemerkenswerter handwerklicher Qualität. Eine Auseinandersetzung mit den indischen Traditionen findet dennoch statt. So bemüht sich das Büro Abhikram aus Ahmedabad um Restaurierung und Umnutzung indischer Palastanlagen. Schon in den achtziger Jahren engagierte sich das Büro für die Verwendung alternativer Technologien zwecks Energiewirtschaftlichkeit.

Die Lust an kleinteilig verwobenen farbigen Dekorationen und prächtigen Materialien – wenngleich in zeitgenössischer Interpretation – kennzeichnet auch die Arbeit von Canna Patel, der prägenden Figur indischer Innenarchitektur. Derweil bietet die Bambus-Initiative des nationalen Designinstituts die Chance, Objekte mit modernem Design in ländlichen Regionen zu produzieren und dadurch für die Landbevölkerung neue Einnahmequellen zu eröffnen. Ein Konzept, das Tradition und Moderne nachhaltig miteinander verbindet. Jürgen Tietz

ifa-Galerie, Linienstraße 139/140, bis 21. Oktober; Di bis Do, So 14 bis 19 Uhr, Fr, Sa 14 bis 21 Uhr. Der Katalog kostet 14 Euro.

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