Ausstellung : Dalís Spuren im Film

Unter dem Titel "Dalí & Film" wird in London erstmals die bislang kaum bekannte wechselseitige Beziehung zwischen Salvador Dalís Malerei und dem Film beleuchtet.

Dalí Metamorphosis of Narcissus
Salvador Dalís "Metamorphosis of Narcissus"Foto: dpa

London Die bis zum 9. September dauernde Ausstellung in der Tate Modern versammelt mehr als 60 Ölgemälde und Ausschnitte aus Filmen von Alfred Hitchcock und Walt Disney, mit denen Dalí (1904-1989) zusammengearbeitet hat. Die Ausstellung ist danach in Los Angeles, St. Petersburg, Florida und New York zu sehen.

Der Spanier Dalí, der als Hauptvertreter der surrealistischen Malerei gilt, ist den Meisten als Bildhauer und Zeichner bekannt, einige wissen auch um seine Arbeiten als Bühnenbildner und Schauspieler. Doch die wenigsten kennen seine Beschäftigung mit bewegten Bildern: "Dieser Aspekt wurde noch nie dargestellt, dabei hat sich Dalí neben seiner Malerei intensiv mit dem Film auseinander gesetzt und ständig an Drehbüchern gearbeitet", sagte der Kurator der Ausstellung Matthew Gale.

Premiere für drei Dalí-Werke

Als einer der Höhepunkte der Schau gelten die Werke "The Accommodations of Desire", "The First Days of Spring" und "Illumined Pleasures" dar, die erstmals gemeinsam gezeigt und dem Film "Der andalusische Hund" gegenüber gestellt werden. Der irreale Film, den Dalí in Zusammenarbeit mit dem spanischen Regisseur Luis Buñuel entworfen hat, spiegelt die Traumwelt dieser dreier Werke wider: abgetrennte Hände, Ameisen und Achselhaare, die im Film zu dem Bart eines möglichen Vergewaltigers werden und in "The Accommodations of Desire" aus einem Ei herauswachsen.

Die Bilder und der Film entstanden Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Der filmische Einfluss auf die Malerei des exzentrischen Künstlers ist zu diesem Zeitpunkt noch dezent und auf Gegenständliches beschränkt. In den Folgejahren ändert sich aber auch die Perspektive seiner Malerei und folgt der einer Kamera. So hat der Betrachter des Werkes "Morning Ossification of the Cypress" keine Bodenperspektive mehr, sondern steht vor dem oberen Teil eines Baum, der aus dem Nichts herausragt und aus dem ein Schimmel springt.

Hitchcock-Film mit Dalí-Kulisse

Die Räumlichkeiten der Tate Modern bieten dem Besucher genügend Platz, die Filme oder Auszüge auf riesigen Leinwänden in eigenen Sälen betrachten zu können, wie die von Dalí entworfene Traumsequenz in dem Hitchcock-Film "Spellbound" mit Gregory Peck und Ingrid Bergman. Der Thriller beschäftigt sich mit den Theorien Sigmund Freuds und erzählt die Geschichte einer Psychologin, die durch Hinweise eines unter Gedächtnisschwund leidenden Verdächtigen einen Mord aufklären soll. Einer der Höhepunkte des Films ist die bizarre Traumsequenz Dalís mit großen Augäpfeln und spitzen Scheren - Motive, die auf vielen seiner Werke zu finden sind.

In "Destino" werden Dalís surrealistische Visionen mit den Cartoons von Walt Disney verbunden. Aus finanziellen Gründen wurde das 1946 begonnene Projekt verschoben und erst vor vier Jahren von Walt-Disney-Neffe Roy Edward Disney zu Ende geführt. In diesem Fantasy-Kurzfilm tauchen seine bekannten zerfließenden Uhren auf, wie auch auf dem Ölgemälde "The Persistence Of Memory" - eines der berühmtesten Dalí-Werke, das seit 27 Jahren erstmals wieder in Großbritannien zu sehen ist.

Die Ausstellung, die zahlreiche selten zu sehende Werke aus aller Welt zeigt, endet mit einer Reihe von Dalí-Fotografien, die einen Künstler zeigen, der sich für ein Genie hielt, das sich jedem Wahnsinn hingeben durfte, der ihm in den Sinn kam. (mit dpa)

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