Ausstellung : Neues Spiel, neues Glück

Leo Tolstoi war sich seines Schicksals bewusst: "Roulette bis sechs Uhr abends. Alles verloren", notierte er 1857 in Baden-Baden. Der russische Schriftsteller war keineswegs der einzige, dessen Schicksal vom Glücksspiel bestimmt war. Seit mehr als fünf Jahrtausenden versuchen die Menschen, ihr Glück auf's Spiel zu setzen - mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Martin Oversohl[dpa]
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Seit dem 17. Jahrhundert beliebt: Das Glücksspiel am Roulettetisch. -Foto: dpa

KarlsruheUnter dem Titel "Volles Risiko! Glücksspiel von der Antike bis heute" präsentiert das Badische Landesmuseum die abwechslungsreiche Geschichte des Spiels - von den Anfängen des Würfelns in Mesopotamien über die antiken Sportwetten in Griechenland, die mittelalterlichen Kartenspiele und die Städtelotterien bis hin zu den Falschspielern, Spielsüchtigen und modernen Online-Glücksrittern.

"Glücksspiele müssten eigentlich Pechspiele heißen, weil wir beim Spielen meistens Pech haben", amüsiert sich der Geschäftsführer des Salzburger Instituts für Spielforschung, Rainer Buland. Das hält offensichtlich kaum jemanden ab, sein Glück herauszufordern: Als älteste Form gelten die Orakelspiele. Die ältesten gefundenen Würfel, Sprunggelenkknöchelchen von Ziegen und Schafen, stammen aus der mesopotamischen Zeit. Verbreitet wurden Würfelspiele vor allem in der römischen Antike - und nicht zuletzt Cäsars wohl berühmtestes Zitat "Alea iacta est" (Die Würfel sind gefallen) lässt erahnen, welche schicksalschwere Bedeutung sie besaßen. Im Marschgepäck der Legionäre wurde das Spiel im ganzen Reich bekannt.

Die erste Lotterie

Im 14. Jahrhundert löste das Kartenspiel aus Asien die Würfel ab, wenngleich es von den Obrigkeiten als "Teufelswerk" verunglimpft wurde. Während sich der Adel mit kunstvoll gestalteten Spielkarten seine Zeit vertrieb, war in den unteren Schichten das Zahlenlotto beliebt. Die Wiegen des Lottospiels stehen in den Niederlanden: Bereits 1445 soll es im flandrischen Sluis zur ersten verbürgten Lotterie gekommen sein.

Moralische Bedenken sorgten an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert dafür, dass das Lotto "zum Schutze des Volkes vor großen finanziellen Verlusten" für 150 Jahre von der Bildfläche verschwand. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gab es ein Comeback: Während der 1950er Jahre wurden in ganz Westdeutschland Lottogesellschaften gegründet.

Glanzzeit der Spielkarten

Die Spielbanken hingegen feierten Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Glanzzeit. Mit einer historischen Einrichtung aus Baden-Baden versucht das Landesmuseum, ein wenig Knistern aus dem Casino ins Schloss zu übertragen. Aber nicht nur am Roulettetisch riskierten die Risikofreudigen ihr Glück: Auf der Pferderennbahn in Iffezheim bei Baden-Baden werden seit 150 Jahren hohe Summen auf den Sieg gesetzt.

So alt wie der Nervenkitzel sind auch die meist erfolglosen Verbotsversuche. Der preußische König Friedrich Wilhelm II. strengte gar einen amtlichen Erlass gegen alle Kartenspiele an, "sie mögen bereits erfunden seyn, oder noch erfunden werden". Wer sündigte, musste leiden: Aus dem 18. Jahrhundert stammt eine ausgestellte Falschspielerkette mit eisernen Gliedern, populär war auch ein "Schandmantel", in dem notorische Spieler an den Pranger gestellt wurden.

Die sehr gut aufgestellte Schau verdeutlich zudem auch, dass Glücksspiele die Menschen nicht nur zu allen Zeiten, sondern auch überall begleiteten: "Ob im glanzvollen Kasino oder in der zwielichtigen Schenke - das reizvolle Spiel mit dem Zufall zieht seit Jahrhunderten Menschen in seinen Bann", sagte der Direktor des Landesmuseums, Harald Siebenmorgen, vor der offiziellen Eröffnung der Ausstellung, die bis zum Fußball-Wettskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer und zum Online-Poker reicht.

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