Ausstellung : Philosoph mit Fotokamera

Der japanischen Fotokünstler Hiroshi Sugimoto setzt der global wogenden Bilderflut eine ganz andere Welt entgegen.

Gerd Korinthenberg[dpa]
Hiroshi Sugimoto
"Hyena-Jackal-Vulture" von Hiroshi Sugimoto. -Foto: ddp

DüsseldorfFamilienfotos, Urlaubsbilder, Werbeaufnahmen: Das ist der banale Alltag der Fotografie. Eine ganz andere Bilderwelt setzt der japanische Fotokünstler Hiroshi Sugimoto (59) dieser global wogenden visuellen Flut entgegen. Mit der bisher größten Retrospektive in Deutschland stellt von diesem Samstag an die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf den eigenwilligen Künstler vor, der seine Bildserien - Meditationen in kargem Schwarz-Weiß - stets mit einer urtümlichen Plattenkamera festhält. Bis zum 6. Januar 2008 sind rund ein Dutzend seiner Motiv-Reihen zu sehen, die nach dem Auftakt am Rhein noch in Salzburg, der Berliner Nationalgalerie und Luzern gezeigt werden.

Ob Meeres-Motive seiner Bilderfolge "Seascapes", deren gestufte Grauwerte und ferne Horizonte ein wenig zu kalkuliert erscheinen, oder ob raffiniert ausgeleuchtete Fotos von Wachsfiguren historischer Personen: Die Frage nach dem Verhältnis von Realität und Abbild, die Skepsis gegenüber der "Wahrheit" von Bildern, treibt den seit 1974 in New York lebenden Künstler deutlich um. So lässt sich Sugimoto in Düsseldorf eher als Philosoph mit Fotokamera und nicht als "Bildermacher" im herkömmlichen Sinne entdecken. Spröde Konzept-Kunst und karger Minimalismus grundieren viele seiner Bildserien wie "Colours of Shadow" (2004-2006) als Untersuchungen der Lichtwirkung in den Ecken und Winkeln weißer Innenräume.

Wer zu viel sieht, erkennt am Ende nichts

Statt praller Augenfreude bescheren Sugimotos Großformate vor allem allerlei Gedankenspiele. In gründerzeitlichen amerikanischen Kinos ließ der Künstler vor menschenleeren Rängen Filme aufführen und hielt seine Kamera geöffnet auf die Leinwand: Als strahlend weißes Rechteck, das sozusagen den kompletten Film "aufgesogen" hat, reflektiert sie ihr Licht nur bis auf die üppige Stuckdekoration der alten Filmpaläste: Wer zu viel sieht, erkennt am Ende nichts, könnte hier die Botschaft Sugimotos lauten, der damit ganz entschieden dem angeblichen Abbildcharakter der Fotografie entgegen tritt.

"Medienhistorische" Purzelbäume schlägt der Japaner mit seinen "Portraits" (1999). Sugimoto lichtete Wachsfiguren des englischen Königs Heinrich VIII. und der Riege seiner unglücklichen Gattinnen ab, die geschickte Mitarbeiter Madame Tussauds wiederum nach Bildnissen geschaffen haben, die im 16. Jahrhundert Hans Holbein "nach dem Leben" gemalt hat. Zurückgekehrt in die Zweidimensionalität, fragen die hohen Herrschaften als "Denk-Bilder" jetzt deutlich nach dem verzwickten Verhältnis von Künstlichkeit und Natürlichkeit.

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