Ausstellungen : Von Mao bis Freud

Mao als Popikone, eine Reise ins Unterbewusste und der frühe Klimt: Europas große Museen haben in diesem Sommer einiges zu bieten. Ein Überblick.

Kunsthalle Wien
Die Kunsthalle Wien. -Foto: Gerhard Koller, © Kunsthalle Wien

Madrid: Prado-Museum zeigt erste große Patinir-Ausstellung


Joachim Patinir gilt als der "Vater der Landschaftsmalerei". Dennoch ist der große flämische Künstler immer ein Rätsel geblieben. Nicht einmal seine Lebensdaten sind genau bekannt. Vermutlich wurde er um 1485 in Dinant im heutigen Belgien geboren und starb 1524 in Antwerpen. Im Prado-Museum in Madrid ist bis zum 7. Oktober die erste umfassende Ausstellung von Werken des Zeitgenossen von Albrecht Dürer zu sehen. Patinir war der erste bedeutende Künstler, der reine Landschaftsbilder malte. Die Ausstellung im Prado-Museum zeigt etwa 30 Werke, zwei Drittel des Gesamtwerks von Patinir. (Internet: http://museoprado.mcu.es)

Wien: Der frühe Klimt und seine Künstler-Compagnie im Belvedere
Gustav Klimt (1862-1918) - der Name ist Inbegriff des Wiener Jugendstils, steht für den Aufbruch in die Moderne und für schwelgende, ornamentreiche Porträts. Das Wiener Belvedere zeigt nun in einer Sonderausstellung eine wenig bekannte Seite des Künstlers: Die Schau "Gustav Klimt und die Künstler-Compagnie" beleuchtet das Umfeld des Malers, der als junger Kunststudent mit seinem Bruder Ernst und Studienkollegen die Gruppe "Künstler-Compagnie" gründete. Rund 40 Arbeiten zeichnen dabei auch die Entwicklung des Malers hin zur Moderne nach. Die Ausstellung in der Beletage des Oberen Belvedere ist bis 2. Oktober zu sehen. (Öffnungszeiten: Täglich von 10 bis 18 Uhr. Internet: www.belvedere.at)

Wien: Künstlerische Reise ins Unbewusste

Das Unbewusste als Ort des Traums und der schöpferischen Fantasie, aber auch des Traumas und der seelischen Verwundung: in einer gemeinsamen Ausstellung unter dem Titel "Traum & Trauma" zeigen Kunsthalle und Museum Moderner Kunst Sammlung Ludwig Wien Werke zeitgenössischer Künstler, die sich mit beiden Facetten des Unbewussten beschäftigen. Die Doppelausstellung, die bis 4. Oktober zu sehen ist, gestaltet mit Arbeiten von rund 50 Künstlern wie Olafur Eliasson, William Kentridge, Jeff Koons oder Paul MacCarthy eine Reise in das Unbewusste, die Unbehagen und Traumatisches ebenso thematisiert wie Wünsche und heimliches Begehren. (Öffnungszeiten: Täglich von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 22 Uhr. Internet: www.kunsthallewien.at, www.mumok.at)

London: Chinas Terrakottaarmee "marschiert"
Die größte Gruppe der chinesischen Terrakottaarmee, die jemals im Ausland gezeigt wurde, "marschiert" demnächst in London auf. 120 Stücke aus der frühchinesische Grabanlage Qin Shihuangdis (210 vor Chr.) werden vom 13. September an im British Museum gezeigt. Im Mittelpunkt stehen ein Dutzend der lebensgroßen Kriegerfiguren samt Originalbeigaben. Die Ausstellung beleuchtet zudem den historischen und archäologischen Kontext der weltberühmten Terrakottaarmee. "Die Schau bietet eine wundervolle Gelegenheit, diese außerordentlichen Objekte aus nächster Nähe zu betrachten und etwas über ein Reich zu lernen, dass auf seinem Höhepunkt ein Rivale des Römischen Reiches war und es sogar überdauerte", sagte Kuratorin Jane Portal. (bis 6. April, täglich 10 Uhr bis 17 Uhr)

Parma: Steuermann Mao als Popikone
Als sich Andy Warhol Anfang der 70er Jahre daran machte, Mao Zedong in leuchtenden Popfarben auf die Leinwand zu bannen, dürfte der "Große Steuermann" nicht gerade begeistert gewesen sein. Streng, unnahbar, aber auch ein wenig desorientiert blickte der alte Chinese auf den Bildern drein. Unfreiwillig wurde der betagte Staatslenker aus dem Reich der Mitte zur Popikone, vergleichbar nur mit Che Guevara. "Mai Dire Mao - Servire il Pop" heißt eine ironisch gehaltene Ausstellung auf dem Messegelände im italienischen Parma, die den eigenartigen Kunstgriff der damaligen Popkultur nachzeichnet, den betagten Revolutionär für den Aufstand der westlichen Studentenrevolte und Popkultur zu nutzen. Zeitgenössische Maler, Illustratoren und andere Künstler dokumentieren, wie Mao, Maobibel und und wehende rote Fahnen teils frech-antiautoritär, teils ideologisch-engstirnig für den Hausgebrauch der Protest- und Popkultur umfunktioniert wurden. Die Ausstellung dauert vom 22. bis 30. September. (mit dpa)

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