Bundeskunsthalle : Exquisite "Visite" der zeitgenössischen Kunst

Schlüsselwerke prominenter Künstler und geheime Schätze: Etwa 60 Werke von 50 Künstlern aus Deutschland sind ab Freitag in der Ausstellung "Visite. Von Gerhard Richter bis Rebecca Horn" in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen. Die Liste der Werke reicht von Richter über Rauch bis Immendorff.

Reinhard Kleber[ddp]
bundeskunsthalle
Das Kunstwerk "24 Siegerkränze mit Goldbändern und Kunststofflorbeer umwickelt, 24 bedruckte Schleifen Edition 1/ 3" (2001) von...Foto: ddp

BonnBei den Arbeiten handelt es sich um Leihgaben der Bundeskunstsammlung. Sie stammen unter anderem von Joseph Beuys, Jörg Immendorff, Nam June Paik, Neo Rauch und Gerhard Richter. Die Werke sollen unter dem Titel "Visite" einen umfassenden Überblick über die Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland geben.

In einer kleineren Auswahl war die Schau im Vorjahr schon während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in Brüssel zu sehen. "Für Bonn haben wir sie aber um etliche Werke erweitert, in den großen Räumen haben wir ja viel mehr Platz", sagt die Ausstellungskuratorin Anette Hüsch. "Die hier gezeigten Werke würden jedem Museum für zeitgenössische Kunst zur Ehre gereichen", schreibt der Intendant der Bundeskunsthalle, Christoph Vitali, im Katalog.

Millionen-Schatz von Richter

So würden "wesentliche Positionen der gegenwärtigen Kunst" im internationalen Maßstab formuliert. Da ist zum Beispiel das Ölgemälde "Die Sekretärin" von Gerhard Richter aus dem Jahr 1964 zu sehen. Das Werk wirkt mit seinen Unschärfen auf den ersten Blick wie ein Schnappschussfoto und wirft exemplarisch die Frage nach den Grenzen der Kunstarten auf. Das Bild ist mit einem Schätzwert von fünf Millionen Euro zugleich das wertvollste der Schau.

Die Bundeskunstsammlung, die außerhalb von Fachkreisen nur wenig bekannt ist, wurde 1970 vom damaligen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) initiiert. Sie wird von der Bundesregierung getragen und finanziert. Hauptziel ist die Dokumentation des künstlerischen Schaffens in der Bundesrepublik Deutschland seit 1949.

Eine Kommission aus fünf Kunstexperten kann jährlich etwa 450.000 Euro in Ankäufe neuer Werke investieren. Bisher sind so 1274 Kunstwerke zusammengekommen, deren Gesamtwert inzwischen auf 20 Millionen Euro geschätzt wird. Da es dafür kein Ausstellungsgebäude gibt, werden die Werke für befristete Zeiträume an öffentliche Institutionen, Ministerien, Botschaften und Ämter ausgeliehen.

Geldmangel zwingt zu Leihgaben

In Zeiten knapper Kassen greifen in jüngster Zeit immer mehr Museen auf die Leihgaben der Bundeskunstsammlung zurück, um eigene Sammlungslücken zu füllen. Der Referatsleiterin für Zeitgenössische Kunst beim BKM, Rosa Schmitt-Neubauer, ist das sehr recht: "Da die Werke ja aus Steuermitteln angekauft wurden, soll der Sammlungsbestand auch einer großen Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden."

Bis zum 17. August sind in der Bonner Schau mit dem Untertitel "Von Gerhard Richter bis Rebecca Horn" nicht nur Schlüsselwerke bekannterer Künstler zu sehen, auch weniger prominente Künstler sind vertreten. Faszinierend wirkt etwa das Ensemble "Erika" (1992) von Rebecca Horn. Die Künstlerin hat eine Schreibmaschine der Dresdner Firma Erika über vier lange Metallstangen mit einem Elektromotor verbunden. Sobald ein Bewegungsmelder ankommende Besucher registriert, beginnen die Stangen wie Geisterhände auf die Tasten zu drücken. Da jedoch weder Papier noch Farbband eingespannt sind, führt die Tipperei zu keinem konkreten Ziel.

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