Der Feindbildhauer : Markus Weisbeck in der Galerie Krome

Eine Ausstellung des Designers Markus Weisbeck in der Galerie Krome. Diese trägt den Untertitel "Art und Architektur" und zeigt schon damit einen anderen Zugang zur zeitgenössischen Kunst an.

Thomas Wulffen

Zur Zeit sind Arbeiten von Markus Weisbeck ausgestellt: Der Künstler und Typograph ist ein anerkannter Graphikdesigner mit eigenem Büro unter dem Namen Surface. Es entwickelte Kampagnen für die Forsythe Company, den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig 2007 und 2009 sowie das überzeugende Erscheinungsbild der Manifesta 7 im vergangenen Jahr. Ebenso entwarf das Büro für die Galerie Krome die Corporate Identity. Leider ist davon im Ausstellungsraum nichts zu sehen. Stattdessen stehen hier großformatige Holzdisplays, die mit Farbe bestrichen und mit Texten gefüllt sind. An ihnen lässt sich erleben, wie typographisch orientierte Bildproduktion im künstlerischen Abseits enden kann. Die Erinnerung an die achtziger und frühen neunziger Jahre, die damit evoziert werden sollte, bleibt der bloßen Emblematik verhaftet.

Dafür lässt sich in den Texten literarische Qualität entdecken. Sie stammen aus der Hand des Freundes von Markus Weisbeck, des Schriftstellers Christian Arends. Zwischen 1985 und 1990 verbrachten beide viel Zeit mit dem Konsum von Fernsehsendungen, Tonträgern und Radio. Nach Arends Tod entdeckte Marcus Weisbeck dann auf der Festplatte seines Atari Computers ein Textkonvolut unterschiedlichen Charakters: mit poetischen Kurzzeiler ebenso wie zwei Erzählungen. Als Besucher fragt man sich unwillkürlich, warum zu dieser Ausstellung nicht auch ein kleines Buch mit weiteren Texten erschienen ist, das den typografischen Ansatz noch einmal aufnimmt und fortführt. So aber steht man vor den Displays, die man für sich gesehen nicht als Kunstwerk wahrnehmen möchte. Allenfalls gefällt einem darauf das Wort „Feindbildhauer“. Als Interieur bleiben sie ebenfalls unbefriedigend.

Andererseits wird mit Blick auf die Ergänzung „Art und Architektur“ hier eine ganz andere Klientel angesprochen als das gewohnte Kunstpublikum. Das kennt Michael Krome seit langem – seit den Zeiten der Galerie Schipper & Krome. Eine Ausdifferenzierung gelingt ja nur, wenn sich auch das Angebot stärker als bisher differenziert. Was davon noch Kunst ist, tritt in den Hintergrund. Das lässt sich noch deutlicher am Ausstellungsort gegenüber der Galerie Krome erfahren. Die Grenzen zwischen Kunst und Design zerfließen dort wie Schnee in der Sonne, in der Ausstellung „Boulevard“ im Cafe Palermo. Künstler wie Rainer Ganahl oder David Drebin sind auch dabei. So ergänzt sich an dieser Stelle Produktdesign mit Graphikdesign. Wie war das mit dem „Feind-bildhauer“?

Krome Gallery, Karl-Marx-Allee 82; bis 11. September, Di-Sa 14-18 Uhr.

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