Deutschen Pavillon 2009 : Ein Holzweg

Der britische Künstler Liam Gillick soll auf Einladung des Kurators Nicolaus Schafhausen 2009 den Deutschen Pavillon auf der Kunstbiennale von Venedig ausstatten.

Christina Tilmann

Als Wolfgang Tillmans im Jahr 2000 den renommierten britischen Turner-Preis erhielt, war die Aufregung groß: ein Partyfotograf, und dann noch ein Deutscher. Inzwischen ist ihm im Jahr 2004 die deutsche Malerin Tomma Abts mit ihren minimalistischen Kleinbildern gefolgt, und längst regt sich niemand mehr über die neue Internationalität des höchsten britischen Kunstpreises auf.

Nun soll der britische Künstler Liam Gillick auf Einladung des Kurators Nicolaus Schafhausen 2009 den Deutschen Pavillon auf der Kunstbiennale von Venedig ausstatten. Ein klarer Verstoß gegen das Länderprinzip? Denn eigentlich soll jedes Land in den Giardini seinen eigenen Pavillon bestücken – mit dem Besten, Neuesten oder auch Populärsten, das die nationale Kunstszene so hergeben mag. Zuletzt hatte hier, auf Einladung von Schafhausen, Isa Genzken ihren Auftritt.

Der Ärger mit dem Länderprinzip gehört schon traditionell zur Biennale. Bei den Pavillon-Kuratoren ist dieser Grundsatz längst gefallen – so richtete der Kölner Kasper König 2007 den österreichischen Pavillon ein. Andere Nationen ziehen die Grenzen erst gar nicht so eng. Die nordischen Länder, die sich seit jeher einen Pavillon teilen, zeigten ihre Künstler 2007 im Wechseltakt, einen Tag Schweden, einen Tag Norwegen. Und im Deutschen Pavillon war 1993 neben Hans Haacke der seit 1956 in Deutschland lebende, gebürtige Koreaner und US-Staatsbürger Nam June Paik zu sehen.

Liam Gillick nun, so war als Erklärung in der Pressemitteilung zu lesen, habe seine Karriere in Deutschland begonnen – mit Ausstellungen, die, oh Wunder, Nicolaus Schafhausen ausgerichtet hat. So zeigte er den Künstler im Jahr 2000 etwa im damals von ihm geleiteten Frankfurter Kunstverein. Derzeit hat Schafhausen Gillick mit „Three perspectives and a short scenario“ eine Ausstellung in Rotterdam ausgerichtet, die danach – drei Perspektiven! – nach Zürich und München weiterwandern soll. Der Titel der Biennale-Installation für 2009 ist auch schon bekannt. Er lautet: „Die Zukunft verhält sich immer anders.“

Das gilt auch für die Zukunft der ältesten Kunstbiennale, die wegen eines Fremdgängers nicht gleich ihr Länderprinzip aufgeben wird. Die Frage ist also nicht so sehr, warum der Brite Gillick im Deutschen Pavillon zu sehen ist – sondern, ob der auf elegante Rauminterieurs spezialisierte Künstler mit dem schwierigen, durch die NS-Zeit kontaminierten Raum klarkommt. Immerhin: Für eine seiner bekanntesten Arbeiten hat Gillick sich eines deutschen Begriffs bedient. Die Ausstellung 2002 in der Whitechapel Art Gallery in London hieß „On the Woodway“ – auf dem Holzweg.

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