''Fake Baroque'' : Zerlegte Helden

Eine Ausstellung in der Galerie Laura Mars spielt mit den Epochen. "Fake Baroque" handelt von unvollständigen Projektionen, Verkörperungen und missglückten Verwandlungen.

Bettina Klix

Herkules ist in der Galerie Laura Mars Grp. gelandet, aber der antike Held ist nicht als er selbst angekommen. Nur an der Keule erkennt man ihn noch. Die Gipsskulptur des Bildhauers Jens Engelhardt, die in ihrem Anspruch dem barocken Herkules in Kassel-Wilhelmshöhe ähnelt, ist vielfach gedemütigt worden. Nicht nur hat er seinen Namen an eine „Herkula“ verloren und wurde damit auf der Rückseite beschriftet. Er musste auch sein Geschlecht abgeben, trägt statt eines Kopfes eine Scheibe, die von wilden Haarlocken bedeckt ist. Seine Beine stecken fußlos in einem Sockel, aus dem Flammen züngeln, die an Herkules’ wenig bekannten Märtyrertod auf dem Scheiterhaufen erinnern.

Von unvollständigen Projektionen, Verkörperungen und missglückten Verwandlungen handelt „Fake Baroque“, eine gemeinsame Ausstellung von DAG und Jens Engelhardt. Sie könnte auch „Space Baroque“ heißen und verwiese dann besonders auf die Science- Fiction-Elemente der Arbeiten. Beim 1964 geborenen DAG ist es eine offensichtliche grafische Anmutung seiner Bilder, die den Augen Effekte von Zeit- und Raumflucht schenken. Die Unregelmäßigkeit der Punkt- oder Rautenmuster hat scheinbar keine drastischen Folgen. Aber diese Mikrostrukturen des Bildes erinnern an die Zerlegung von Körpern zum Transport. Und wie die Skulpturen von Engelhardt zeigen, können hier schreckliche Unfälle passieren, wenn Zeiten und Orte gewechselt werden.

In Science-Fiction-Serien ist das ein beliebtes Thema, doch es gibt auch ein klassisches Vorbild: Ovids „Metamorphosen“. Alle können in alles verwandelt werden; es gibt keinen Anspruch auf Wiedererkennbarkeit. Der 1963 geborene Jens Engelhardt, der als Bildhauer und Steinmetz ausgebildet wurde, verfügt über das Handwerk des traditionellen Formenrepertoires. Von da aus erschließt er sich die unterschwelligen Kräfte in den historischen Formen und lässt sie mitgestalten. Dann bricht die Haut auf, bröckelt wie bei der Skulptur „Eva H.“, als sei die Macht, die diese Mutter- und Vorbildgestalt mit Drogenaugen beansprucht, genauso unerreichbar wie die vollständige Verkörperung. Auch „Eva H.“ befindet sich wie der entmannte Herkules auf einer Drehscheibe, und wie Science-Fiction-Helden warten beide auf ihre Teleportation.

Laura Mars Grp., Sorauer Str. 3; bis 2. August, Di–Fr 13–19 und Sa 12–16 Uhr.

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