Finanzprobleme : Hamburger Museen fehlen Millionen Euro

Die finanzielle Situation der sieben ehemals staatlichen Hamburger Museen ist dramatisch. Eine Expertenkommission sucht jetzt Auswege aus der Krise.

HamburgDen Hamburger Museen fehlt Geld. Viel Geld. Nachdem die ehemals staatlichen Häuser 1999 in die Selbstständigkeit entlassen wurden, kämpfen sie heute mit finanziellen Problemen, die existenzbedrohend sind. "Damals dachte man: Wir entlassen die Museen in die Freiheit und alles wird gut", sagt Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos). Leider habe sich diese Annahme nicht bewahrheitet - auch wenn die Umwandlung der sieben Museen in Stiftungen richtig gewesen sei. Es habe aber Fehler gegeben, die korrigiert werden müssten. So müssten die Museen finanziell, personell und strukturell besser ausgestattet werden. Die Kulturbehörde beauftragte deshalb eine Expertenkommission, Wege aus der Krise aufzuzeigen. Einige der zum Teil radikalen Vorschläge werden nun in einer Museumsreform zum 1. Januar 2008 umgesetzt.

Museumslandschaft im Umbruch

Nach Angaben des Deutschen Museumsbundes befindet sich die gesamte deutsche Museumslandschaft in einer Umbruchphase. "Viele Museen versuchen durch eine Umwandlung in neue Trägerschaftsmodelle eine größere Flexibilität zu erreichen", sagte Mechtild Kronenberg, Geschäftsführerin des Museumsbundes. Dabei sei es wichtig eine Rechtsform zu finden, die dem jeweiligen Profil der Einrichtung angemessen ist.

Kernpunkte der Hamburger Reform sind die Entschuldung der Stiftungen in Höhe von 13,6 Millionen Euro, die Erhöhung der Betriebszuschüsse (2,1 Millionen Euro) für Kunsthalle und Museum für Kunst und Gewerbe und die Bereitstellung von Investitionsmitteln von 2,3 Millionen Euro für die Neugestaltung von Dauerausstellungen. Doch obwohl diese Gelder bereits vor der Sommerpause auf den Weg gebracht wurden, schlagen die Museen schon wieder Alarm: So bezifferte die Hamburger Kunsthalle vor kurzem das strukturelle Defizit nicht mehr mit 1,2 Millionen Euro, sondern plötzlich mit 2,1 Millionen Euro. "In der Zeit vor Frau von Welck war die Erwähnung eines Defizits völlig undenkbar", sagte Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner zur Erklärung.

Zusammnlegung der Museen umstritten

Am umstrittensten ist der Vorschlag, die vier stadt- und kulturhistorischen Museen zusammenzulegen: So sollen das Museum für Hamburgische Geschichte, das Altonaer Museum, das Museum der Arbeit und das Helms-Museum als Standorte erhalten bleiben, aber unter einem Generaldirektor, der aus dem Kreis der Museumsdirektoren kommt, zu einer Stiftung Historische Museen Hamburg zusammengefasst werden. "Den vier Häusern muss der Spagat gelingen, einerseits ihr eigenes Profil zu schärfen, andererseits aber die Gemeinsamkeit zu stärken - sowohl in der Planung als auch in der Öffentlichkeitsarbeit", sagte von Welck. Die Direktorin des Altonaer Museums, Prof. Bärbel Hedinger, hatte Anfang des Jahres aus Protest gegen die Reform ihr Amt niedergelegt.

Auch politisch ist die Reform nach wie vor umstritten. "Wir tragen zwar die Entschuldung und die Erhöhung der Betriebsmittel mit, lehnen aber die Zusammenlegung der vier Häuser und die Abschaffung der Doppelspitze von Direktor und Geschäftsführer entschieden ab", sagt die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Dorothee Stapelfeldt. Willfried Maier von der GAL wirft der Kulturbehörde jahrelange Versäumnisse vor: "Die Museen haben noch immer keine komplette Kostenrechnung aufgestellt. Darauf hat schon vor fünf Jahren Frau Horáková hingewiesen. Wenn das bis jetzt noch nicht möglich ist, frage ich mich, wie die Kulturbehörde ihre Kontrollfunktion wahrgenommen hat."

Digitales Inventar

Ein weiterer Punkt der Museumsreform ist ein Pilotprojekt zur digitalen Inventarisierung der Sammlungsbestände, für das 1,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden sollen. Außerdem prüft die Kulturbehörde den Bau eines Kulturspeichers, mit dem die desolate Depotsituation der Stiftungen behoben werden soll. Bisher gibt es ein solches Projekt nur in München. "Ziel ist es hier nicht, Geld einzusparen, es geht vielmehr darum, Werte zu bewahren und für die Zukunft zu sichern", sagte von Welck. Aber das ist Thema für die Haushaltsberatungen 2009/2010. (svo/dpa)

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