Fotografie : Spanischer Bürgerkrieg: Prolog zur Katastrophe

Das Willy-Brandt-Haus zeigt unbekannte Fotografien aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Der Kölner Fotograf Hans Gutmann dokumentierte den Alltag in der anarchistischen Hochburg Barcelona, später begleitete er das Thälmann-Bataillon.

Philipp Lichterbeck

Der Spanische Bürgerkrieg war auch ein Krieg unter Deutschen. Rund 5000 deutsche Sozialisten kämpften bei den Internationalen Brigaden, auf der Gegenseite standen bis zu 10 000 Wehrmachtssoldaten, die Hitler 1936 zur Unterstützung des Putschisten Franco nach Spanien entsandt hatte. Und natürlich zog es auch Reporter nach Spanien, die bekanntesten: Capa und Hemingway. 70 Jahre nach Kriegsende zeigt das Willy-Brandt-Haus nun unbekannte Aufnahmen des Kölner Fotografen Hans Gutmann, der ab 1933 in Spanien lebte. Er dokumentierte den Alltag in der anarchistischen Hochburg Barcelona, später begleitete er das Thälmann-Bataillon, in dem auch der Dichter Ernst Busch kämpfte.

Wie oft beim Betrachten von Bildern aus dem Spanischen Bürgerkrieg fällt die andächtige Ernsthaftigkeit der Menschen auf. Da steht die 18-jährige Marina Ginestá mit Karabiner auf dem Hotel Colón in Barcelona und blickt entschlossen in die Ferne. Eine Gruppe Deutscher marschiert mit dem Banner „Antifascistas Alemanes“ durch die Stadt, ein alter Bauer schließt sich stolz den anarchistischen Brigaden an. Aus anderen Fotos spricht revolutionärer Überschwang, etwa wenn die Athleten der „Volksolympiade“, die 1936 als Gegenveranstaltung zu den Olympischen Spielen von Berlin geplant war, Kunststücke vorführen; oder wenn zwei Milizionärinnen sich in einer Kampfpause lachend Weintrauben in den Mund stopfen. Gutmanns beste Bilder sind diese leuchtenden, durchkomponierten Porträts. Auch den russischen Schriftsteller Ilja Ehrenburg und den legendären Anarchisten Buenaventura Durruti hat er fotografiert: Bilder, die daran erinnern, dass hier der Prolog zum Zweiten Weltkrieg stattfand.

Das erschütterndste Foto aber ist das eines jungen Mannes mit dem ebenmäßigen Gesicht eines Filmstars. Er stemmt die Hände in die Hüften, schaut zuversichtlich in die Kamera. „Huesca, 1936. Priester vor seiner Hinrichtung“, liest man in der Bildbeschreibung. Den Hass auf die katholische Kirche als Komplizin der Faschisten kann man sich heute kaum mehr vorstellen.

Ein Jahr vor dem Ende des Krieges entschließt sich Gutmann 1938 unter neuem Namen, nach Mexiko auszuwandern: Juan Guzmán. Die Ausstellung erzählt dennoch die Geschichte der deutsch-spanischen Verwicklungen zu Ende. Man hat im Archiv der spanischen Presseagentur Efe geforscht und Bilder der „Legion Condor“, die Gernika bombardierte, zutage gefördert. Oder aber Aufnahmen von Heinrich Himmler in einer Stierkampfarena. Am Ende dann Aufnahmen der „Blauen Division“, die Franco zur Unterstützung Hitlers an die Ostfront schickte. Diesen Fotos fehlt freilich jede Nähe und Wärme.

Stresemannstr. 28, bis 3. April, Di-So 12-18 Uhr. Eintritt frei. – Das Instituto Cervantes widmet dem Spanischen Bürgerkrieg ab Montag, 16. März, einen Filmzyklus, Informationen: www.cervantes.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar