Galerie Bleibtreu : Kurvig: Vier malerische Positionen

Die Gruppenausstellung "Situation 45" der Galerie Bleibtreu legt den Schwerpunkt auf Jan Smejkals Arbeiten. Zu sehen ist seine Auseinandersetzung mit der Dynamik der Schrift und dem Prozess des Malens.

Jenny Becke

Von der Leinwand geht ein Sog aus, der die gemalten Buchstaben in Bewegung versetzt. Die Wort- und Textfragmente ziehen sich zusammen, ändern ihre Richtung und vereinen sich zu dynamischen Kompositionen. Die unbetitelte Arbeit von Jan Smejkal (6500 Euro) überführt alltägliche Wörter, etwa aus Werbetexten, von Straßenschildern oder aus Gesprächen, in die Malerei. Smejkals „Schriftbilder“ tauchen in der Ausstellung „Situation 45“ der Galerie Bleibtreu, die dazu je eine Arbeit von Ugo Rondinone, Kuno Gonschior, Edgar Hofschen und Robert Barry zeigt, in unterschiedlichsten Formen auf. Die Besucherbänke im Eingangsbereich wurden aus einer Holzwand gefertigt, die der Künstler 2004 für das Jüdische Museum bemalte, und im Hinterzimmer hat Smejkal eine ganze Wand mit seinen Buchstaben gestaltet. Beide stammen aus früheren Ausstellungen, fügen sich jedoch nahtlos in die aktuelle Schau. Gegenüber der Buchstabenwand sind acht Vitrinen mit Smejkals Zeichnungen aus den Jahren 1980 bis 2001 (80.000 Euro) fast ein wenig lieblos vor die Fenster gedrängt. Seine auf weißen Kartonkarten festgehaltenen Skizzen und Notizen sind darin zu Skulpturen gestapelt. Obwohl es sich um eine Gruppenausstellung handelt, liegt ihr Schwerpunkt auf Smejkals Arbeiten. Zu sehen ist seine Auseinandersetzung mit der Dynamik der Schrift und dem Prozess des Malens. Die gesprühte Schlängellinie auf einer Leinwand macht die Armbewegung im Moment der Bildentstehung sichtbar. Das Thema hat den Künstler schon in früheren Jahrzehnten beschäftigt. Einige Fotos zeigen seine „8-hour drawings“, für die er Flächen im öffentlichen Raum mit weißer Kreide ausmalte. Aus den monotonen Handbewegungen entstand eine lebendige Struktur.

Auch in den Werken der anderen Künstler geht es um die Materialität der Malerei und die Sichtbarmachung ihres Entstehens. Hofschen zeigt eine scheinbar leere Leinwand, in deren Struktur die Farbe nur erahnbar ist (Modifikation, 17.500 Euro), während Gonschior die Bildfläche durch groben Farbauftrag zum Relief werden lässt (45.000 Euro). „Situation 45“ beschäftigt sich mit einem Thema, das vor allem in den siebziger Jahren verhandelt wurde und zeigt Positionen von damals bis heute. Es gelingt aber nicht, dem Thema Neues zu entlocken. Die einstige Faszination bleibt aus.

Galerie Bleibtreu, Bleibtreustraße 5; bis 24. 10., Mi-Fr 13-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr.

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