Galerie Jiri Svestka : Zeichnen mit Hindernissen

„Echolog“ – eine kluge Doppelausstellung von Jiri Franta und David Böhm in der Galerie Jiri Svestka.

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Foto: Galerie Sveska
Foto: Galerie Sveska

Alles hängt mit allem zusammen bei dem tschechischen Duo Jiri Franta und David Böhm. In der Galerie Jiri Svestka, die inzwischen auch in die Potsdamer Straße umgezogen ist, haben die beiden Künstler ein kleines Labyrinth in die Räume gebaut. Durch die verwinkelte Konstruktion spinnt sich ein Ariadne-Faden bis ans Ende des Irrgangs. Ein Farbkanister hängt von der Decke, die Befestigungsschnur verläuft durch das Entree der Galerie, fädelt sich durch eine Videoprojektion und zieht sich bis ins Hinterzimmer zu einer Reihe Zeichenstifte. Jedes Beben des Kanisters löst um viele Ecken ein Zeichen an der Wand aus.

„Echolog“ nennen die beiden Künstler ihre charmante Gemeinschaftsarbeit, die Dialog und Widerhall miteinander verknüpft. Jiri Franta und David Böhm, 1978 und 1982 geboren, haben an der Prager Akademie der Bildenden Künste studiert. Seit 2006 arbeiten sie als Team. „Echolog“ – so lautet auch der Titel des zentralen Werks der Ausstellung, einer absurden Videofantasie. Die Komik des Films erinnert an das berühmte Atelier-Desaster „Der Lauf der Dinge“ (1987) von Peter Fischli und David Weiss. Doch während bei dem Schweizer Duo die Tücke des Objektes zum Fiasko führt, bleiben Franta, Böhm und ihre Helfer konstruktiv. Der Film zeigt das Atelier als Kunstfabrik. Wie an ihr Schicksal sind die Zeichner an mechanische Instrumente gebunden, die ihre Bewegungsfreiheit einengen. Da rollt eine Staffelei auf den einen zu. Und erst wenn sie bei ihm ankommt, kann er künstlerisch tätig werden. Ein Skater bleibt wie aufgezogen in seiner Halfpipe und wird dennoch kreativ. Die Bahnen sind vorbestimmt, doch die Künstler nutzen ihren Spielraum. „Echolog“ erkundet den Aktionsradius, der selbst in widrigen Verhältnissen besteht (2000 Euro).

Auch bei ihren Zeichnungen treten Franta und Böhm gemeinsam als Urheber auf und spielen mit dem Gegensatz von Verfall und Aufbau. Während ein Gebäude klapprig zusammenbricht, arbeitet die Hand des Zeichners schon an seiner Wiederherstellung. Fröhlich picken die beiden Künstler von Surrealismus und Konstruktivismus, doch den starren Zeichnungen fehlt die verspielte Flüssigkeit des bewegten Bildes. Selbst in gerahmtem Zustand ecken die Werke im Raum an. Ein Blatt hängt im Knick in einem Winkel (4000 Euro). Die Rahmen engen den Ausschnitt ein und erweitern zugleich die Perspektive. Der Umriss eines Kopfes ist aus der Stellwand herausgebrochen, so dass sich die Aufmerksamkeit auf das Innere des Ovals zentriert. Wie in Pipilotti Rists früher Installation „Eine Spitze in den Westen – ein Blick in den Osten“ müssen die Besucher ihre Köpfe durch ein Loch in der Decke stecken, um Videos aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Hindernisse lassen Jiri Franta und David Böhm nicht gelten. Sie nutzen den Widerstand, damit ihre Kunst Wellen schlägt. Simone Reber

Galerie Jiri Svestka, Potsdamer Straße 81c; bis 8. September, Mi–Sa 12–18 Uhr

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