Galerie Klosterfelde : Picknick unterm Pappkarton

Die Ausstellung „Tea Party“ in der Galerie Klosterfelde widmet sich dem Mirakulösen.

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Der eine trinkt Tee und wird vom Pappkarton verschluckt, der andere stellt ein Känguru neben einen Hummer und behauptet eine innere Verbindung zwischen den Objekten seiner kurzen Performances. Und Lara Favaretto, die auf der Documenta mit einer gigantischen Skulptur vertreten ist, hat einen Turm gebaut, der sein Geheimnis nie enthüllt.

Dass Galerist Martin Klosterfelde die künstlerischen Positionen von Bas Jan Ader, Darren Bader und Favaretto zusammen zeigt und seine Ausstellung „Tea Party“ nennt, versteht man erst mit Blick auf Aders Video von 1972. Es trägt denselben Titel und verbindet ähnlich disparate Elemente: ein edles Teeservice, eine wilde Landschaft und eine Falle aus Pappe, die nach wenigen Momenten zuschnappt und sich über den picknickenden Künstler stülpt. Ader wird unsichtbar, lange bevor er tatsächlich auf seiner Atlantikquerung verschwand.

Verschollen ist auch Thomas Grant Hadwin, dem sich Favaretto widmet: 1997 fällte er in Kanada einen heiligen Baum, kam dafür ins Gefängnis und verschwand auf dem Weg zum Gericht. Seither blühen die Gerüchte, ähnlich wie bei Ader. Beide Männer verbindet ein mysteriöses Ende – und beide sind sie in der Schau auf eigenartige Weise präsent.

Es ist ein Treffen quer durch die Generationen, Stile und Medien: Aders schwarz-weißes Video (25 000 Dollar) wirkt aus heutiger Sicht technisch rührend unperfekt, während die Tiere in Baders digitalem Porträt (12 000 Dollar) geradezu lebendig wirken. Favarettos „Hommage to Thomas Grant Hadwin“ (30 000 Euro) verbindet Sperrholz mit edlem Messing, das einen Teil des Raumes reflektiert und ihn so verdoppelt. In drei Metern Höhe lugt Erde über den Rand, ansonsten aber verweigert die Stele jeden Einblick und spiegelt bloß das Außen zurück. Zum entspannten Plausch trifft sich dieses Trio nicht. Die Arbeiten gehen im Gegenteil auf Distanz und spinnen ihr assoziatives Netz rund um die Themen An- und Abwesenheit. Die kleine Gesellschaft der annoncierten „Tea Party“ hat sich zerstreut und jeder einzelne an einen Ort zurückgezogen, wo er seinen Gedanken nachhängt. Und der Betrachter? Mäandert traumverloren zwischen den Werken und lässt sich einfangen. cmx

Galerie Klosterfelde, Potsdamer Str. 93, bis 25. 8., Di - Sa 11 - 18 Uhr

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