Galerie Niels Borch Jensen : Eliassons Irrwege

Die Kreisform, die Olafur Eliasson auf seinen neuen Arbeiten in der Galerie Niels Borch Jensen zeigt, ist klug gewählt. Schließlich erinnert sie den Betrachter an eine Uhr und gemahnt ihn daran, dass Zeit vergeht. Auch beim Betrachten.

Thomas Wulffen

Die unterschiedlichen Farbkreise offenbaren ihr Geheimnis nicht auf den ersten Blick, und ein zweiter genügt auch nicht. Aber hilfreich steht einem bald ein Mitarbeiter der Galerie zur Seite, um das Geheimnis zu entschlüsseln. Es besteht aus drei mal drei Farbzirkeln, die nicht einfach für sich bestehen, sondern sich aufeinander beziehen. So wird der zweite Farbkreis im ersten Teil des Werks „The colour circle series“ durch die Vermischung zweier gegenüberliegender Farbstreifen erzeugt. Welche das genau waren, vergisst man schnell. Es ist allerdings auch kaum entscheidend, weit weniger jedenfalls als die Tatsache, dass sich der Künstler hier bescheiden gibt. Statt der gewohnten großen Form hat sich Eliasson nun dem kleineren Format mit der aufwendigen Technik der Farbgravüre zugewandt. Die kleine Form allerdings ist ein schönes Beispiel für eine Überkodierung. Kennen wir diese Farbspielerei nicht aus den Skizzenbüchern von Johannes Itten? Und natürlich diente auch die „Interaction of Colour“ von Josef Albers, Lehrer am Bauhaus, als Vorbild.

Sicher passt solch eine Serie aus drei Blättern wunderbar in das neue Büro. Und da erinnern wir uns daran, das Olafur Eliasson jetzt auch Professor an der hiesigen Universität der Künste ist. So mag denn diese „Farben-Kreis-Serie“ als Lehrstoff für seine Studenten dienen. Und sei es dafür, wie man sich durch Rückgriff auf alte Ideen, geschickte Anleihen an zeitgenössisches Design und intelligentes Marketing den Markt wieder einmal erobert. Zweimal findet sich im Fernsehen ein Hinweis auf die Ausstellung. Und die Bilder kommen gut in diesem Format.

Die Editionszahl beträgt pro Serie 24 Stück. Auf dem Farbweg lässt sich gut wandeln. Merkt ja niemand, dass es ein Holzweg ist. Der Holzweg war die Spur, die ein gefällter Baum beim Transport hinter sich zog. Folgte man ihr irrtümlich, so endete man irgendwann am Baumstumpf. Kein Ausweg, sondern ein Irrweg. Thomas Wulffen

Galerie Niels Borch Jensen, Lindenstraße 34; bis 25. April, Di.–Sa. 11–18 Uhr

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