Geklaut : Dag Erik Elgin stellt in der Galerie Opdahl aus

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Die Galerie Opdahl beweist das Gegenteil. Lässt man sich auf die Ausstellung von Dag Erik Elgin ein, findet man sich in einer imaginären Galerie der Klassischen Moderne wieder.

Thea Herold

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Die Galerie Opdahl beweist das Gegenteil. Lässt man sich auf die Ausstellung von Dag Erik Elgin ein, findet man sich in einer imaginären Galerie der Klassischen Moderne wieder. Wer länger bleibt, der setzt sich Fragen nach Bildungskanon und Identität, europäischer Kulturgeschichte und historischem Gedächtnis aus.

Dieses intellektuelle Vergnügen verdankt sich Elgins Strategie. Seine Gemäldeserie präsentiert jene Schildervokabeln, die im Museum üblicherweise neben den Meisterwerken hängen. So hat sich der 1962 in Oslo geborene Maler die Schriften, Namen, Titel, Maße vorgenommen, die sonst bildungsbeflissen vernascht, überflogen oder ignoriert werden. Er legt die Namensschilder von Picasso, Tatlin, Braque wie unter die Lupe.

Begonnen hat der Norweger mit Courbets „L’Origine du Monde“ aus dem Musee d’Orsay in Paris. Dieser Titel überschreibt auch die Serie aus 33 Wortbildern. Freilich wurden die Schilder vergrößert, auch sind Elgins Leinwände nach allen Regeln grundiert, die Schriften mit Schablonen von Hand gemalt. So viel zum Handwerk.

Jenseits dessen entfaltet jedes dieser unikaten „ Titelgemälde“ (je 3000 Euro) ein wahres Kraftfeld – sobald man sich in die komplette Sequenz hineingelesen hat. Dabei ermöglicht der Künstler Zugänge zu ganz grundsätzlichen Fragen: Wie steht es mit der Relation der Geschlechter im Almanach der Kunstgeschichte? Welche Rolle spielen zu Zeiten von Google die physischen Orte für die authentische Wahrnehmung von Kunst?

Wie Elgin sein imaginäres Museum entstehen lässt, das sich aus dem Museum in Nishny Tagil und dem Centro de Arte Reina Sophia Madrid speist, aus New Haven, Yale University Art Gallery und der Tretjakowka-Galerie in Moskau, das ist fantastisch. Für seine Vergrößerungen hat er Farben und Schrifttyp analog zu den Vorbildern gewählt. Und wie in den bereits vor Jahren von ihm zelebrierten „Abendzeichnungen“ hat er damit das sanfte Understatement seiner visuellen Achtsamkeitsstudie in klassische Form gebracht. Da jedoch die zeitgenössische Sogkraft seiner minimalistisch subversiven Strategie viel mehr anrührt als nur die erinnernde Konzentration auf jene bis heute kraftvolle Epoche der Kunstgeschichte, fällt nur ein Wort dafür ein: ganz persönlich ist es wohl – Zen. Doch da verschweigt ein Wort viel mehr als tausend Bilder. Thea Herold

Galerie Opdahl, Lindenstr. 35 , bis 13. 3.; Die-Sa 11 - 18 Uhr.

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