Geschmacksfrage : Französischer "Prinz" klagt gegen Koons-Werke

Pop-Künstler Jeff Koons löst mit seinen Ausstellungen schon mal den einen oder anderen Protest aus. Prinz Charles-Emmanuel de Bourbon-Parme, ein Nachfahre des Sonnenkönigs, geht sogar noch weiter: Er will die Ausstellung in Versailles mit rechtlichen Mitteln verhindern.

de Bourbon-Parme
Sonnenkönig-Nachfahre de Bourbon-Parme: mag die Kunst von Jeff Koons nicht. -Foto: dpa

ParisBei den Besuchern des französischen Prunkschlosses von Versailles ist die Ausstellung des „Königs des Kitsch“, Jeff Koons, ein heiß diskutierter Renner. Doch für den französischen Thronprätendenten Charles-Emmanuel de Bourbon-Parme sind die farbenprächtigen Skulpturen des Amerikaners eine "Profanierung" der Werke seiner Ahnen und eine rein kommerzielle "Werbung für einen Porno-Star" dazu. "Ihre Königliche Hoheit" geht deswegen jetzt juristisch gegen die Verlängerung der Ausstellung vor. Das teilte der Nachfahre des Sonnenkönigs Ludwig XIV. am Samstag in Paris mit.

Koons hat mit der ehemaligen italienischen Pornodarstellerin und Parlamentsabgeordneten Ilona Staller alias Cicciolina ein Kind. Doch pornografische Werke sind in Versailles nicht ausgestellt. Stattdessen kann man im "Salon der Venus" einen lebensgroßen neobarocken Michael Jackson aus Porzellan bewundern. Anderswo stehen oder hängen bunte Kunststofffiguren vom riesigen roten Hummer bis zur Micky Maus inmitten von Blattgold und Brokat.

Wie die Mona Lisa mit falschem Bart

Die Ausstellung hat die für Koons üblichen Proteste von Anwohnern und Intellektuellen ausgelöst. Koons-Werke in Versailles seien so, als würde man der Mona Lisa einen falschen Bart ankleben, sagte der Präsident des Schriftstellerverbandes, Arnaud-Aaron Upinsky.

In einem offenen Brief an Präsident Nicolas Sarkozy hatte Charles-Emmanuel vergeblich gefordert, die "clownesken" Werke "voller sexueller Anspielungen" aus dem Schloss zu entfernen. Nun will er, dass die Ausstellung nicht wie geplant bis zum 4. Januar 2009 verlängert, sondern umgehend geschlossen wird. Er beruft sich dabei auf das "althergebrachte Recht jedes Mitglieds der menschlichen Spezies" auf "Achtung der Ahnen" und "freien Zugang zum kulturellen Erbe ohne pornografischen Zwang". (sgo/dpa)

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