Hamburger Bahnhof : Poetische Störungen im Museumsgarten

Der Hamburger Bahnhof zeigt ab Samstag eine Werksschau des Aktionskünstlers Roman Signer. Für die Realisierung seiner Werke habe der explosionsbegeisterte Künstler an diversen Kraterrändern gelegen.

Bahador Saberi[ddp]
Roman Signer
Roman Signer: berüchtigt für Aktion. -Foto. dpa

BerlinAus seinen Aktionen macht er Kunst. Die Werke des Schweizers Roman Signer stehen auf einer philosophischen Ebene, sagte Museumsleiter Eugen Blume. Diese erklimme Signer mit Alltagsgegenständen, wenn er in seinen Werken und Aktionen das Logische mit Absurdität unterlaufe. Das Werk Signers ist kompliziert angelegt und ursprünglich hoch philosophisch, so Blume. Das Gegenwart-Museum in der Mitte Berlins zeigt bis zum 27. Januar die erste umfassende Werkschau Signers.

Bereits vor dem Eingang im Innenhof des Museums kann der Betrachter mit der Kunst Signers Bekanntschaft machen: "Kieskegel und Kajak" lautet der Titel der Außenskulptur. Für Blume ist das "eine sehr schöne poetische Störung in unserem Garten". Im Innern des Hamburger Bahnhofs ist das Kajakmotiv in weiteren Formen zu bewundern. Zum Beispiel auf Fotopapier, aufgenommen in einer fünffachen Abfolge beim Versinken.

Das Museum zeigt in einem 300 Meter langen Gang zahlreiche Foto-Dokumentationen des Schweizers. Darunter sind auch Aufnahmen mit Explosionen, ein zentrales Thema Signers. Eine weitere Reihe dokumentiert, wie sich der Künstler mit einem Feuerwerkskörper, der nach der Zündung senkrecht nach oben startet, eine Mütze von seinem Kopf schießen lässt. Auf einem anderen Foto geht es weniger heiß her, es fliegt lediglich ein Hocker aus einem Hotel.

Mit dem Fahrrad durchs Museum

Der 69-jährige Roman Signer, der nach eigenen Worten das "Abenteuer Leben" lebt, bei dem er nicht wisse, wo es denn genau hingehe, hatte als junger Mann eigentlich vor, die Schweiz zu verlassen, um die Welt zu entdecken. "Ich wollte in die USA oder nach Kanada", erzählte der Künstler in Berlin. Aus der gedachten Kontinentflucht wurde nichts, und so verlegte er seinen Wohnort von einem Kanton in den nächstgelegenen.

Aus Unruhe wird ungewöhnliche Schaffenskraft. Signer beabsichtigte zunächst, im Museum bei seinen Ausstellungsstücken zu nächtigen und die von ihm erzeugten Schlafgeräusche über Lautsprecher in die Außenwelt des Museums zu transportieren. In Island tat er das bereits, in Berlin hingegen will er nun mit einem Fahrrad durch die Ausstellungshalle zwei des Museums radeln, dabei eine gelbe Spur hinterlassen, um dem Zuschauer klar zu machen, wo es mit Signer langgeht.

Der Weg zu einem neuen Werk sei für Signer mitunter, buchstäblich steinig, erzählt Blume: "Für die Realisierung seiner Werke hat der explosionsbegeisterte Signer an diversen Kraterrändern von Vulkanen gelegen."

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