Installation : Zettelwirtschaft

Europäische Illustratoren und Grafiker stellen den Gegensatz zwischen freier Kunst und Vermarktung in Frage. Die "Illustrative“ zeigt Höhepunkte des Designs.

Kolja Reichert

BerlinWie an einem Schwarzen Brett hängen hunderte Zettel über- und nebeneinander. Einzelne haben Uhrwerke im Rücken und drehen sich ruckartig vorwärts. Eine närrische Installation, die nicht mehr preisgibt als ihren Spielcharakter – und die Kontaktdaten des Künstlers, die in der Mitte ihre Runden drehen. Es ist nicht ohne Witz, wie Lorenzo Petrantoni, durch die Biennale Venedig geadelt, den Gegensatz zwischen freier Kunst und Vermarktung in Frage stellt. Und er ist nicht allein: Die Illustrative zeigt Werke der spannendsten europäischen Illustratoren und Grafiker. Sie sind vorwiegend durch Auftragsarbeit geschult, illustrieren Modestrecken für die „Vogue“ wie Jeanne Delattante oder designen MP3-Player wie der 24-jährige Matei Atostolescu. Hatte die erste Ausgabe vor einem Jahr im Pfefferberg noch Messe-Atmosphäre, ist die Illustrative nun zum Festival geworden. Videokunst, Mode-Schauen und Konzerte machen die Villa Elisabeth zum Club. Die Illustration, so wird deutlich, hat sich längst von der reinen Bebilderung emanzipiert. Zugleich entdecken immer mehr Künstler Grafik oder Collage neuals Mittel, einer sich immer rasanter verändernden Gegenwart nahe zu kommen. Einflüsse aus Comic, Graffiti und Computerspieldesign mischen sich mit Zitaten aus der Kunstgeschichte. Dieser Umgang, den eine junge internationale Szene mit dem Bildvorrat aus Kunst und Alltag pflegt, wirkt erfrischend, uneitel – und frei.

Illustrative: Invalidenstr. 3, Mitte, bis 16. September, Mo-So 11-19 Uhr.

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