Josephine Meckseper in Stuttgart : Schattenseiten der Konsumgesellschaft

Auf der Vorderseite der edlen Unterwäschepackung verführt ein durchtrainierter Männerkörper zum Kauf, auf der Rückseite ist eine asiatische Näherin zu sehen: Mit solchen Motiven kritisiert die Künstlerin Josephine Meckseper unsere Konsumgesellschaft.

Meckseper
Schaufensterpuppen mit Protestschildern "G4 summit" von Josephine Meckseper. -Foto: dpa

Stuttgart Auf der Vorderseite der edlen Unterwäschepackung verführt ein durchtrainierter Männerkörper zum Kauf, auf der Rückseite ist das Bild einer asiatischen Näherin zu sehen. Sie muss bis zur Erschöpfung in den Fabriken westlicher Modeunternehmen arbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Mehrere hundert Spiegel hat die Konzeptkünstlerin Josephine Meckseper im Stuttgarter Kunstmuseum installiert, um den Besuchern Hintergründe und Schattenseiten der Konsumgesellschaft aufzuzeigen. Von Samstag an können die Besucher in Stuttgart erstmals Mecksepers Gesamtwerk in einer großen Einzelausstellung besichtigen.

Auf den vier Ausstellungsetagen ist eine silbrig-strahlende Umgebung entstanden, die bei näherem Hinsehen jedoch schnell an Glanz verliert. "Ich will die Menschen zum Nachdenken bringen", erläutert die in New York lebende Deutsche.

Mecksepers Kunst ist Gesellschaftskritik pur. Im Vordergrund steht dabei die Steuerung unseres Alltags durch marktwirtschaftliche Mechanismen. In den Augen der Künstlerin macht der Kapitalismus nirgends mehr halt, nicht einmal vor der Politik. So stellt die 42- jährige Deutsche die beiden Schwester-Parteien CDU und CSU in Form zweier blonder Models dar, hinter deren gepflegtem Äußeren die politischen Inhalte unsichtbar werden.

Auch das Magazin "Der Spiegel", das Meckseper mal als "Zeitgeist- Rebellin" bezeichnete, verkommt in der Inszenierung der Künstlerin zu einer schwarz-rot-goldenen Inszenierung. Im Mittelpunkt ihrer mehr als 150 ausgestellten Arbeiten steht jedoch das Thema Konsum. In nachgebauten Schaufenstern begegnen die Betrachter in den Ausstellungsräumen Gegenständen, die sie vielleicht gerade erst in den Auslagen der Geschäfte auf der Königstraße gesehen haben.

"Dieses Museum ist wegen seiner Lage mitten in der Einkaufsstraße perfekt für meine Werke", freut sich die Künstlerin. In dieser Umgebung kann sie ihre Botschaften besonders deutlich machen. Verkäuflich scheint dabei fast alles zu sein. Nicht nur die Vorlieben des konservativen Bürgertums, sondern auch der ideologiefreie Umgang mit Symbolen der linken Bewegung wird von Meckseper in den Schaufenstern ironisch präsentiert.

Ein Palästinenser-Tuch könne heutzutage auch als Teppich dienen und Hammer und Sichel werden richtig präsentiert schnell zu dekorativen Schmuckstücken. "Ich bin der 68er-Generation eng und mit einem starken Gefühl der Nostalgie verbunden", erläutert die Künstlerin, die im norddeutschen Worpswede aufgewachsen und mit der Friedens- und Anti-Atomkraft-Bewegung groß geworden ist.

"Damals brachten die Menschen noch den Willen und die Energie auf, um etwas zu verändern", schwärmt sie. Seit dem Beginn der 90er Jahre lebt die Künstlerin in den USA. Seitdem ist ihre Kunst politischer geworden. "Denn trotz aller Fehler, die in Amerika in den letzten Jahren gemacht wurden, glaube ich noch immer an die Demokratie und will sie mit meiner Kunst unterstützen."  (Internet: www.kunstmuseum-stuttgart.de) (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben