Jubiläum : Tel Aviv durch die Linse von Magnum-Fotografen

Der Magnum-Fotograf Patrick Zachmann hat Szenen des lockeren Stadt-, Strand- und Nachtlebens von Tel Aviv aus jüngster Zeit eingefangen. Zum 100. Geburtstag der Stadt lassen dieMagnum-Agentur und das Jüdische Museum Berlin die Korken knallen.

Jens Hinrichsen

Der Junge raucht, und niemand schreitet ein. Schließlich ist es jungen orthodoxen Juden gestattet, sich während der Purim-Feierlichkeiten eine Zigarette anzustecken. Der Magnum-Fotograf Patrick Zachmann hat solche Szenen des lockeren Stadt-, Strand- und Nachtlebens von Tel Aviv aus jüngster Zeit eingefangen. Zum 100. Geburtstag der Stadt lassen die – nach der Champagnerflasche benannte – Magnum-Agentur und das Jüdische Museum Berlin die Korken knallen.

Neben Zachmann sind es neun weitere Künstler, aus deren Fundus die fünfzig Fotos der Ausstellung „Tel Aviv. Durch die Linse von Magnum-Fotografen“ stammen. Die Bilder zeichnen ein differenziertes Bild der Metropole und des israelischen Staates aus sechs Jahrzehnten. Micha Bar Am flüchtete 1936 nach Palästina und verfolgt seit den Fünfzigern die politischen Ereignisse in seinem Land. Der amerikanisch-jüdische Fotograf Leonard Freed steuert Bilder aus dem Jom-Kippur-Krieg bei. Erschütternde Fotos lieferte der Iraner Abbas Attar von den Ereignissen um die Ermordung Jitzchak Rabins im November 1995.

Parallel dazu blickt die Ausstellung „Von Berlin nach Tel Aviv“ noch tiefer in die Vergangenheit der Stadt. Die Berliner Fotografin Frieda Mayer (1892–1971), der im Jüdischen Museum eine Extraschau gewidmet ist, verließ Deutschland 1933, dokumentierte die Schiffspassage von Italien nach Palästina und ihren Neubeginn in Tel Aviv. Das Ausstellungskabinett präsentiert eine Auswahl von 32 Schwarz-Weiß-Abzügen ihrer etwa 800 im Nachlass befindlichen Originalnegative. Mayers Studio lag an der Allenby-Straße, einer einstigen Hauptschlagader der Stadt. Dort gelangen der Fotografin stilsicher komponierte, atemberaubende Straßenszenen. Jens Hinrichsen

Tel Aviv in Magnum-Fotografien, bis 30. August. – Von Berlin nach Tel Aviv: Frieda Mayer, bis 16. August. Jüdisches Museum, Mo 10–22 Uhr, Di–So 10–20 Uhr.

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