Jubiläum : Zehn Jahre "Weltempfänger" in Hamburg

Direktor Christoph Heinrich möchte die Galerie der Gegenwart zu ihrem Jubiläum auf den Kopf stellen. Gleichzeitig fordert der scheidende Leiter neue Finanzierungsmöglichkeiten, da städtische und staatliche Gelder schon lange nicht mehr reichen.

Nadine Schimroszik[ddp]
Galerie der Gegenwart
Soll auf den Kopf gestellt werden: Die Galerie der Gegenwart in Hamburg. -Foto: dpa

HamburgJedes Stockwerk des Anbaus der Hamburger Kunsthalle ist zur Eröffnung der Ausstellung "Weltempfänger" am Dienstag, 2. Oktober, einem bestimmten Thema gewidmet. Anlässlich des Geburtstages des Hauses werden viele Werke zum ersten Mal gezeigt. Die gesamte Hängung in den drei Etagen des Museums hat sich geändert. Große Namen der zeitgenössischen Kunst wie Wolfgang Tillmanns, Daniel Richter, Georg Baselitz, Dasha Shishkin und Julia Oschatz haben ihren Platz in dem Erweiterungsbau nach Entwürfen von Oswald Mathias Ungers gefunden.

Seit zehn Jahren leitet Heinrich die Galerie der Gegenwart. Kurz vor der Neueröffnung zum Jubiläum müssen alle Kunstwerke beschriftet, die Helligkeit der Beleuchtungen und Anordnungen von Gemälden überprüft werden. Da hilft es, dass er seine "Babys" - wie er die Kunstwerke schon mal nennt - gut kennt. Im obersten Stockwerk, das sich mit den Themen Wasser, Feuer, Blut und Luft auseinandersetzt, schlendert der 47-Jährige scheinbar entspannt durch die Gänge. Plötzlich stoppt er: "Kruzifix!", entfährt es ihm verärgert. "Das stimmt hier nicht", stellt der Direktor fest und nimmt eine Pappbeschriftung von der Wand und stellt sie neben ein anderes Gemälde.

"Ich finde, sie kann fantastisch mit Räumen umgehen"

Die Ausstellung "Weltempfänger" präsentiert mehr als 350 Werke, davon sind 40 zum ersten Mal zu sehen. Zu den neuen gehört auch Jonas Burgerts "Lotsucht". Das riecht immer noch nach Öl, es wurde erst am 24. September dieses Jahres vollendet und aufgehängt. Heinrich, der im Oktober mit seiner neuen Arbeit als Kurator für moderne und zeitgenössische Kunst am Denver Art Museum beginnt, ist der persönliche Kontakt zu den Künstlern wichtig. So gestaltete die 1970 geborene Malerin und Installateurin Julia Oschatz einen Raum in der Galerie der Gegenwart auf seinen Wunsch. "Ich finde, sie kann fantastisch mit Räumen umgehen", lobt der Kurator die grafisch gestalteten Flächen.

Über seine Lieblingswerke der Schau kann Heinrich viele Anekdoten erzählen. Er weiß genau, wo und wann Andy Warhols Fotografien von Madonna, Grace Jones oder Ozzy Osbourne entstanden sind, wie die Arbeit der von ihm sehr geschätzten Künstlerin Sophie Calle in einer New Yorker Telefonzelle ablief und was James Hopkins mit seiner erst auf den zweiten Blick als Totenkopf erkennbaren Installation "Decadence and Demise" aussagen möchte.

Heinrich wird seine "Babys" vermissen

Hinter dem Namen der Ausstellung "Weltempfänger" verbirgt sich für den Kunstliebhaber viel. "Unser Museum empfängt Dinge, die aus der ganzen Welt kommen", betont Heinrich. Der Ausstellungstitel zeige, dass sich der zeitgenössische Kunstbegriff enorm erweitert habe. So liege zwar ein Schwerpunkt der Sammlung immer noch auf der figurativen Malerei aus Deutschland, wie es die Gemälde von Georg Baselitz und Walter Dahn bewiesen. Doch daneben gebe es viel amerikanische Kunst, unter anderem von Andy Warhol, die Fotografien von Nan Goldin und Installationen von James Hopkins.

Dieses internationale Angebot habe nur mit Hilfe von privaten Gönnern aufgebaut werden können, erklärt der scheidende Galerie-Direktor. Die staatlichen und städtischen Mittel genügten schon lange nicht mehr. Heinrich freut sich daher sehr auf seine Arbeit in Denver. Schließlich sei dort das Fundraising viel verbreiteter. Obwohl er die "Babys" in seiner Galerie der Gegenwart vermissen werde.

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