Karikaturen : "Lust am Fleisch" - Deix in Hannover

Sex-Orgien im Priesterseminar und Rechtspopulist Jörg Haider in Strapsen - der Karikaturist Manfred Deix kennt beim Zeichnen keine Tabus. Hannover widmet dem Künstler eine große Ausstellung.

Manfred Deix
Arnold Schwarzenegger wie der Karikaturist ihn sieht. -Copyright: Manfred Deix

HannoverVon diesem Sonntag an zeigt das Wilhelm-Busch-Museum Hannover 238 Arbeiten des 58-jährigen Österreichers. Darunter sind politische Motive ebenso wie drastische Alltagsszenen. Dem Museum zufolge ist es "die Lust am Fleisch und den damit verbundenen Gelüsten, die Manfred Deix bewegt". Viele Bilder - etwa von abstoßenden Kinderschändern - schockieren den Betrachter. Deix provoziert und übt gleichzeitig ätzende Gesellschaftskritik. Die Ausstellung "Deix in the City" ist bis zum 2. März zu sehen.

Die politischen Karikaturen - fein gestaltete Aquarelle - beziehen sich in der Regel auf aktuelle Ereignisse. Immer wieder hat sich Deix in der Vergangenheit mit dem ehemaligen FPÖ-Chef Haider auseinander gesetzt - auf einem Bild von 1997 blicken dutzende Haider-Klone mit den gleichen schiefen Zähnen, darunter auch Kinder und Frauen: "Seine Fan-Gemeinde wächst und wächst", lautet der Kommentar dazu.

Beeinflusst von Busch und Robert Gernhardt

Seine aktuelle Serie "Arnold Schwarzenegger. Die nackte Wahrheit" ist weniger politisch, sondern eher eine satirische Hommage an den wohl berühmtesten lebenden Österreicher. Erzählt wird eine absurde Heldengeschichte, die mit archäologischen Knochenfunden des ungewöhnlich kräftigen Homo Steiermarcensis anfängt. Hier kommt auch Deix' literarisches Talent zu Tage. Er stehe in einer ähnlichen Tradition wie Robert Gernhardt und sei unter anderem von Wilhelm Busch beeinflusst, sagte Museumsdirektor Hans Joachim Neyer. In der Ausstellung gibt es auch Kostproben von Deix' Dichtkunst.

In seinen Bildern gewährt der Satiriker Einblicke in die Abgründe des modernen Lebens. Er selbst dagegen versteht sich eigenen Angaben zufolge als "Behübscher" und "Verharmloser". Er arbeite lediglich, "um etwas Schönheit unters Volk zu streuen", sagte der Beach-Boys- und Katzen-Fan einmal in einem Interview. (feh/dpa)

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