Künstlerinnen aus der DDR : Nackt in der Nische

Meist ist von Männern die Rede, wenn von Kunst in der DDR gesprochen wird. Das Künstlerhaus Bethanien zeigt nun Arbeiten von zwölf ostdeutschen Künstlerinnen – von den siebziger Jahren bis heute.

Anna Pataczek
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Tina Bara: "marilyn".

Vor dem Mauerfall fanden ihre Aktionen in Wohnungen und Ateliers oder auf dem freien Feld statt. Kunst jenseits des propagierten „sozialen Realismus“ musste sich seine Nische suchen, war schnell, flexibel, experimentell. Gabriele Stötzer, Cornelia Schleime, Christine Schlegel oder Erika Stürmer-Alex holten sich ihre Freiheit in der Performance- Kunst, ohne diese so zu nennen. Konzepte wie Fluxus, Happening oder Land-Art war an ostdeutschen Kunsthochschulen kein Unterrichtsgegenstand.

Die Künstlerinnengruppe „Exterra XX“ aus Erfurt veranstaltete Modenschauen und Performances, in selbst genähten Kleidern oder nackt. Sie gingen radikal mit ihren Körpern um, bemalten sie, bandagierten und verletzten sich. Else Gabriel steckte als Mitglied der „Autoperforationsartisten“ ihren Kopf in einen Eimer Schweineblut. Cornelia Schleime verschnürte Kopf und Körper – ein drastischer Ausdruck physischer und psychischer Einengung im repressiven Staat. Die Künstlerinnen waren auf der Suche nach Identität und Selbstbestimmung. Viele dieser bewusst flüchtig gehaltenen Momente haben sie auf Super-8-Filmen festgehalten, wurden zu multimedialen Collagen. Wie hat sich das künstlerische Schaffen nach der Wende verändert? Auch dies zeigt die Ausstellung „Und jetzt. Künstlerinnen aus der DDR“.

Künstlerhaus Bethanien,  Fr 27.11. bis So 20.12., Mi-So 14-19 Uhr, Eintritt frei.

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