Kunst : Yves Saint Laurents Privatsammlung wird versteigert

Mit der Versteigerung der privaten Kunstsammlung des legendären Modeschöpfers Yves Saint Laurent werden rund 700 wertvolle Exponate zerstreut. Laut Kunst-Experten soll der Erlös mehr als 300 Millionen Euro hoch sein.

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Gefeierter Modedesigner, leidenschaftlicher Kunstsammler: Der im Juni 2008 verstorbene Yves Saint Laurent. Foto: -JEAN-PIERRE MULLER (AFP)

München/Paris Mit mehr als 700 Kunstwerken und Objekten zählt die Sammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé zu den größten Privatsammlungen Europas. Sie erstaunt durch ihre Bandbreite, denn neben 400 bis 10. 000 Euro teuren Dolchen aus Indien und der Türkei, unzähligen Löwenskulpturen - der Löwe war das Sternzeichen von Yves Saint Laurent - finden sich in der vielfältigen Kollektion ein auserlesener Wandteppich des Präraffaeliten Edward Burne-Jones, Jugendstilmöbel, Werke von Ingres, David und Delacroix ebenso wie Hauptwerke von Picasso und Matisse.

Die weder nach Stilen noch Epochen zusammengesetzte Sammlung ist Ende der 50er Jahre entstanden. Das erste gemeinsame Sammelstück war ein riesiger Holzvogel aus Afrika. Doch den Grundstein der Kollektion legten die kunstbesessenen Lebensgefährten im Jahr 1971 mit ihrer ersten kostspieligen Anschaffung, der Holzfigur "Madame L.R." von Constantin Brancusi, die heute auf 15 bis 20 Millionen Euro geschätzt wird.

Yves Saint Laurent und Pierre Bergé kauften vorwiegend bei Händlern ein. Die außerordentliche Pokalsammlung aus dem 17. Jahrhundert, die aus Werkstätten großer deutscher Goldschmiede stammt, erwarben sie von den Brüdern Alexis und Nicolas Kugel, die ihnen nicht nur die insgesamt elf vergoldeten Silberpokale verkauften, sondern auch eine herrliche Tischfontäne. Der Wert jedes Objekts: zwischen 30. 000 und 180. 000 Euro.

Was einst günstig gekauft, wird heute teuer versteigert

Werke des Impressionismus und der Moderne erwarb das Paar vor allem bei dem Pariser Händler Alain Tarica, von dem auch ein Aquarell von Paul Cézanne versteigert wird, das den legendären Hausberg des französischen Malers zeigt. An oberster Stelle der teuersten Werke steht das kubistische Stillleben "Instrument de musique sur un guéridon" (etwa: Musikinstrumente auf einem kleinen runden Tisch) aus dem Jahr 1914/15. Schätzwert: zwischen 25 und 30 Millionen Euro.

Was die beiden Kunstpioniere an Jugendstil-Möbel einst günstig kauften, ist heute Millionen von Euro wert, wie der einzigartige Drachenstuhl von Eileen Gray, der auf 2,5 Millionen Euro beziffert wird oder die zwei kleinen Sitzbänke mit Leopardenfell von Gustave Miklos, für die heute zwischen 2 und 3 Millionen Euro gezahlt werden
müssen.

Mit der Versteigerung wird eine der letzten Privatsammlungen zerstreut. Pierre Bergé wollte sie keinem Museum vermachen: "Dass die, die unsere Möbel, Objekte und Gemälde, mit denen wir lebten, sie so zu schätzen wissen wie wir." (yr/dpa)

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