Kunstausstellung : Louvre zeigt islamische Meisterwerke

2011 soll in Toronto das Aga-Khan-Museum eröffnet werden. Ein Teil der Sammlung des ehemaligen Monarchen ist nun vorab im Pariser Louvre zu sehen. Vor allem die Buchkunst steht im Mittelpunkt der Ausstellung.

Sabine Glaubitz[dpa]
Aga-Khan
Islamische Hochkultur. Eine Seite aus dem Werk "Fedowsi und die drei Poeten am Hof von Ghazna", Iran um 1532.Foto: dpa

ParisEinen Vorgeschmack darauf, was den Besucher ab 2011 im neuen Aga-Khan-Museum im kanadischen Toronto erwartet, bietet jetzt der Pariser Louvre. Unter dem Titel "islamische Meisterwerke des Aga-Khan Museums" ist dort eine Ausstellung eröffnet worden, die mehr als 80 Werke aus der einzigartigen Sammlung zeigt, die einst von Prinz Sadruddin Aga Khan (1933-2003) angelegt wurde. Heute wird sie von Karim Aga Khan IV., dem derzeitigen geistlichen Oberhaupt der islamischen Religionsgemeinschaft der Ismailiten und einem der reichsten Männer der Welt, weitergeführt. Die Werke, darunter zahlreiche Manuskripte und Keramiken, sind bis zum 7. Januar zu sehen und geben einen Einblick in 1000 Jahre islamische Geschichte und Kunst.

Die kostbaren und einzigartigen Exponate, die zwischen dem 8. und 19. Jahrhundert entstanden sind, spiegeln die künstlerische Produktion der islamischen Welt von Spanien bis Indien wieder. Vor allem die Buchkunst steht mit einem Ensemble an Miniaturmalereien aus dem "Buch der Könige" - dem berühmtesten iranischen Manuskript des 16. Jahrhunderts - im Mittelpunkt der Ausstellung.

Diese große für die Ilkhaniden-Herrscher angefertigte Abschrift - sie erzählt die Geschichte des Irans - ist mit Abbildungen illustriert, die die Originalität der iranischen Illuminierkunst zum Ausdruck bringen. Die Kompositionen sind raffiniert und die Szenen voller zahlloser Gestalten, deren Gesichter und Haltung menschliche Gefühle erkennen lassen. Der Einfluss der chinesischen Kunst im Zuge des zweiten Mongoleneinfalls im 13. Jahrhundert ist nur noch sporadisch zu erkennen. Wolken, Berge und Bäume gewinnen an Tiefe und Komplexität. Die Miniaturen sind von außergewöhnlicher Feinheit und Kunstfertigkeit.

Die Kunst des Schönen Schreibens

Die figürliche Darstellung war in der islamischen Kunst nicht ganz verboten. So kann man auf herrlichen Tongefäßen und Schalen aus dem 15. und 17. Jahrhundert Abbildungen von stark stilisierten und reduzierten menschlichen Gestalten erkennen. "Im profanen Bereich trifft man oft auf menschliche Figuren. Die Abbildungen zeugen von einer reichen und komplexen literarischen Kultur", erklärte die Kuratorin Sophie Makariou.

Auch die besonders ausgereifte Kunst der Kalligrafie arabischer und persischer Künstler dokumentiert die Ausstellung. Diese Kunst des Schönen Schreibens hat sich im 9. Jahrhundert aus der schwer lesbaren nordarabischen Schrift entwickelt. Sie hat sich weit über den Koran hinaus verbreitet, wie die auserlesenen Tintenfässer, Schreibfedern und diversen Schälchen aus dem 12. und 13. Jahrhundert zeigen. Die Kalligrafie, bzw. die Schreibkunst, gilt im Islam als die wichtigste der bildenden Künste.

In der Mitte der Ausstellung thront der minimalistische Architekturentwurf des zukünftigen Aga-Khan-Museums, das 2011 in Toronto seine Türen öffnen soll. Das 10.000 Quadratmeter große Gebäude wurde von dem japanischen Architekten Fumihiko Maki entworfen. Es wird das einzige Museum Nordamerikas sein, das ausschließlich der islamischen Kunst gewidmet ist. (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar