Kunststücke : Verwischt

Christiane Meixner interessiert sich für Maler ohne konkrete Motive.

Christiane Meixner

Dieses Wetter schürt eigentlich bloß einen Gedanken: Man will hinaus, um abwechselnd ins Himmelsblau oder auf grüne Wiesen zu sehen. In der Galerie Albrecht (Charlottenstraße 78, bis 1.9.) gelingt nun beides. Die amerikanische Malerin Anne Appleby holt die Natur in die Galerie. Besser: Sie konzentriert sich auf die Farben und füllt damit monochrome Leinwände, die von innen heraus leuchten (9000-18 000 €). Drei grüne Hochformate hängen neben einem luftig blauen Rechteck, das sich unschwer als Wolkenstück lesen lässt. Über die anderen Wände verteilen sich kleinere, mehrteilige Leinwände, auf denen Appleby das Wachsen und Vergehen von Pflanzen in Szene setzt – vom zarten Weißgrün erster Triebe bis zu den braunwelken Blättern. Ein Klassiker der Farbfeldmalerei, und ein wenig wirkt Appleby damit wie aus der Zeit gefallen. Wer aber weiß, dass sie die Städte scheut und lieber auf dem Land liebt, der sieht vor allem das Authentische ihrer Arbeit. Den urbanen Part übernimmt Peter Halley mit zwei Formaten (je 29 000 €). Seine artifiziellen Farbkompositionen gehören in eine andere Welt – die der nächtlichen Neonreklame und simultanen Eindrücke. Und obwohl Halleys Quadrate weit kleiner als Applebys Leinwände sind, staut sich darin mindestens dieselbe Energie.

Als Mittler zwischen Stadt und Land tritt Matthias Reinmuth auf. Seine jüngsten Gemälde sind in der Galerie Elly Brose-Eiermann (Zimmerstraße 90/91, bis 12. September) zu sehen und richten den Blick auf einen nächtlichen Himmel, der ungerührt über allem schwebt. Was immer der frühere Meisterschüler von Georg Baselitz zuvor an konkreten Motiven verwendete, ist verschwunden. Ausgelöscht durch heftige Pinselstriche, mit denen er alles Gegenständliche zur Abstraktion verwischt. Nur ab und zu erkennt man einen Stern. Reinmuth setzt sich mit dem Informel eines Hans Hartung auseinander, dem gestischen Expressionismus von Sam Francis und mit den späten Phasen von Monet. Das ist erkennbar und dennoch für die Arbeit des zeitgenössischen Künstler ein Bruch mit den verspielten Setzungen. An die Stelle gemalter Petitessen tritt ein Farbstrom, der gelenkt und gebändigt werden will. Reinmuth gelingt das auf Anhieb – ganz gleich, ob es sich um das konfettibunte Bild „B.B“ (3200 €) oder um „Roxy“ handelt, auf dem sich diffuser Nebel über ein Firmament von 190 mal 170 Zentimetern spannt (7500€). Und ganz ähnlich den beiden arrivierten Künstler in der Galerie Albrecht zeigt er, was alles noch in der abstrakten Malerei möglich ist.

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