Kurz & kritisch : Mimosen malen: Peter Piller im Kunstfenster des BDI

Das ist nun einmal wirklich eine andere Sicht auf die Kunst. Laienfotos zeigen Gemälde und Skulpturen in Privatwohnungen, genauer den Wohnungen von Mitgliedern des Gremiums Bildende Kunst des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft.

Claudia Wahjudi

Da hängen die Tafelbilder überm Stubenwagen, knubbeln sich Teile einer Installation in einer Dachkammer, und Papierarbeiten von Marcel Odenbach liegen zu den pantoffelbewehrten Füßen ihres Besitzers. Der Künstler und Fotoarchivar Peter Piller hat die Gremiumsmitglieder gebeten, daheim Kunst zu fotografieren, und zwar Arbeiten von Gewinnern des „ars viva“-Preises, den das Gremium alljährlich vergibt. Auch Piller erhielt ihn einmal. Jetzt hat er die Schnappschüsse seiner Förderer im Haus der Deutschen Wirtschaft arrangiert, hinter Breuer-Sesseln und mit anonymisierten Zitaten an der Wand, in denen die Fotografen ihre Motive zu sammeln erklären (bis Ende 2010, Kunstfenster des BDI, Haus der Deutschen Wirtschaft, Breite Str. 29, Mitte, Mo-Fr 9-18 Uhr – nur nach tel. Vereinbarung unter Tel: 20 28 15 31). Dazu hat Piller eine Reihe frisch gekeimter Mimosen in Blumentöpfen gesellt, einen freundlich ironischen Kommentar auf die empfindlichen Sammlerseelen. Nur zwei Straßen weiter dokumentiert zufällig zeitgleich das Deutsche Historische Museum in der Ausstellung „Macht zeigen“, wie Personen aus Wirtschaft und Politik für PR-Fotos selbstbewusst vor zeitgenössischer Kunst posieren. Ein schöner Zufall. Die kühlen Aufnahmen im Museum relativieren die legeren Schnappschüsse – und umgekehrt.

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