Lebe lieber wild : Wiederentdeckt: die Malerin Ilse Heller-Lazard

Unter dem Titel „Der Auftrag der Farbe“ sind Porträts, Stadtbilder und Landschaften versammelt in denen sich das abstrakte Form- und Farbverständnis der Künstlerin ebenso artikuliert wie der Einfluss jener Maler, bei denen sie studierte – darunter Lovis Corinth.

Christiane MeixnerD
317588_0_6dec40f6.jpg
Freiheit in Maßen. Ilse Heller-Lazard um 1904 auf dem Land. -Foto: Nachlass Ernst Heller

Ein Meer der grünen Pinselstriche, Kornfelder aus gelben Farbstreifen: Ilse Heller-Lazard entzog sich der Enge ihres Elternhauses, indem sie 1904 von Metz nach München zog. Und malte, wie ihr die Welt vorkam. Ausdrucksstark, farbig und perspektivisch ein bisschen verzogen. In München, wo die damalige Bohème versammelt war, hätte sie sich nach dem Willen der Mutter bilden sollen. Um als Mädchen aus gutem Haus die Chancen auf eine standesgemäße Heirat noch einmal zu erhöhen. Tatsächlich nahm der Aufenthalt Einfluss auf Ilse Heller-Lazards ganzes kurzes Leben. Ihr künstlerisches Erbe ist nun im Verborgenen Museum in Berlin zu entdecken – erstmals in dieser Dichte, denn als die Malerin 1934 an Krebs starb, wurde ihr Werk in alle Winde zerstreut.

Der Schweizer Kurator Matthias Heller hat aus dem Familienerbe und aus Privatsammlungen zusammengetragen, was der ersten Ehefrau seines Vaters klar zuzuordnen ist. Unter dem Titel „Der Auftrag der Farbe“ sind Porträts, Stadtbilder und Landschaften versammelt in denen sich das abstrakte Form- und Farbverständnis der Künstlerin ebenso artikuliert wie der Einfluss jener Maler, bei denen sie studierte – darunter Lovis Corinth. Die Bilder zeigen Heller-Lazards Talent und dokumentieren ihre sprunghafte Entwicklung. Es gibt kleine Seestücke von 1914, in denen die Künstlerin weit mehr wagt als auf Gemälden der zwanziger Jahre, wo sie die Motive zwar immer noch als flächige Farbträger begreift. Spätere Kirchenfassaden und Straßenszenen wirken in ihrer Abbildhaftigkeit konventionell.

So demonstriert die Ausstellung weniger die konsequente Genese eines Werkes als vielmehr die brüchige Biografie einer Frau Anfang des 20. Jahrhunderts, die Freiheit suchte und sich gleichzeitig an ihre bürgerliche Existenz klammerte. Eine Suchende, angetrieben auch von lebenslanger Rivalität mit der mondänen Schwester. Ihr Leben wird ebenfalls dokumentiert, wie ein Motor scheint sie Ilse Heller-Lazard immer wieder zur Kunst getrieben zu haben. Christiane Meixner

Verborgenes Museum, Schlüterstr. 70, bis 31.1., Do/Fr 15-19, Sa/So 12-16 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben