Liebermann-Ausstellung : Feldgrau

Die Dresdner zeigen ihren schmalen, aber eindrucksvollen Liebermann-Bestand, der verdeutlicht, dass es für den Maler, wie er in einem Brief schreibt, "höchst erfreulich" war, "in Dresden gut vertreten zu sein".

Bernhard Schulz
Buelow
Patriotisch. Liebermanns Porträt des Feldmarschalls Bülow (Ausschnitt) -Foto: Katalog

Als eine „Stütze dieser Gesellschaft“ hat ihn Wolfgang Koeppen einmal hintersinnig bezeichnet, und das war Max Liebermann auch, wenn auch weniger „Stütze“ als „Repräsentant“. Er war der vollendete Repräsentant seiner großbürgerlichen Herkunft, die er aus eigener Leistung als erfolgreicher Maler auslebte, mit den Häusern am Pariser Platz und am Wannsee. Und natürlich malte er seinesgleichen, die bürgerliche Elite von Kaiserzeit und Weimarer Republik.

Unter den Portraitierten gibt es Sonderfälle: etwa das Bild des Generalfeldmarschalls Karl Wilhelm Paul von Bülow, entstanden im Krieg 1915/16. Man meint, Hindenburg in Feldgrau zu erkennen, wenn man das Bildnis jetzt in der kleinen Ausstellung „Max Liebermann in der Dresdner Galerie“ erblickt. Ein patriotisches Bild, das an die oft übergangene Phase im Leben Liebermanns erinnert, als sich der Maler im Krieg ganz auf die Seite des wilhelminischen Kaiserreichs stellte. In der großen Berliner Liebermann-Retrospektive von 1979 war das Bild nicht zu sehen, es ist erst seit kurzem wieder bekannt, nachdem es 1971 von der DDR aus dem Dresdner Museumsbesitz abgegeben worden war. Jetzt zeigen die Dresdner ihren schmalen, aber eindrucksvollen Liebermann-Bestand, der verdeutlicht, dass es für den Maler, wie er in einem Brief schreibt, „höchst erfreulich“ war, „in Dresden gut vertreten zu sein“.

Neun Gemälde waren es einmal, sechs davon sind jetzt noch in der Sammlung, voran „An der Alster in Hamburg“ von 1910, ein Auftragsbild des Freundes und Direktors der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark (der diese strahlende erste Fassung alsbald durch eine zweite ersetzte, so dass die Urversion bereits 1913 elbaufwärts gelangte). Begleitet wird die Kabinettausstellung von einem höchst informativen Katalogheft; beides zusammen ein mustergültiges Beispiel für den Umgang eines Museums mit seinen eigenen Schätzen. Bernhard Schulz

Dresden, Semperbau am Zwinger, bis 31. August, Di–So 10-18 Uhr, Katalog 8 €.

0 Kommentare

Neuester Kommentar