Messe : Berliner Liste: Spurlos

Die Berliner Liste ist eine der vier ergänzenden Messen zum Art Forum in Berlin. Der Direktor kündigte experimentelle Kunst an, die „neben der Spur“ liegt. Leider ist davon nichts zu sehen.

Birgit Rieger
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Freier Fall. "Icarus Fire" von Anthony Gayton, Galerie MITO, Spanien. -Foto: Galerie

Vor der Eröffnung betont Wolfram Völker, Direktor der Berliner Liste, dass die Messe sich auf Galerien konzentriere, die „neben der Spur“ liegen und experimentelle Kunst zeigen. Beim Rundgang ist das jedoch kein bisschen offensichtlich. Harmlose Blumen-Zeichnungen von Nina Borasso (10 500 Euro) liegen jedenfalls nicht neben der Spur. Vieles ist handwerklich gut, wie der farbtriefende, pinkelnde Jesus von Ulrich Wilhelm Röpke (8600 Euro) bei der Stuttgarter Galerie in art. Daneben gibt es Abstraktes, wie bei der Galerie Oko mit minimalistischen Ölgemälden von Hana Usui (bis 12 000 Euro) – das Gegenmodell zum „cool Japan“ mit seinen poppigen Mangabildern. Insgesamt hinterlässt die Auswahl an Gegenwartsmalerei kaum Nachhall.

Nur was die Räume betrifft, fällt die Berliner Liste aus dem Rahmen. Sonst in Industriebrachen oder zuletzt im Haus Cumberland angesiedelt, ist das diesjährige Domizil ein Klinker-Neubau am Reichpietschufer mit dem volltönenden Namen Palais am Tiergarten. „Es ist ein leer stehendes Bürogebäude und damit typisch für Berlin“, erklärt Völcker. Zwar müssen manche der 60 Galerien mit Kojen visà-vis von Serverraum und Toilette leben, aber es ist genug Platz für alle, und das Atrium lädt zum Herumlümmeln ein.

Galeristen: mit der Qualität der Messe nicht ganz glücklich

Nicht alle Künstler bedienen den Wohlfühl-Effekt: Die Photon Gallery aus Ljubljana zeigt im Rahmen des Fotografie-Schwerpunkts „Snapshots“ aus dem Bosnienkrieg. Selbstzerstörung und Existenzielles sind häufige Themen, auch bei den politischen Videoarbeiten, die die Golden Thread Gallery aus Belfast mitgebracht hat, wo Ian Charlesworth die mediale Ausbeutung junger Kerle zum Thema macht (ca. 3000 Euro, Auflage 3).

Die Galeristen erzählen, dass sie mit der Qualität der Messe nicht ganz glücklich sind. Zu viel markttaugliche Malerei, dazwischen freche, kritische Positionen, sogar eine Streetart-Galerie (die bereits vor Eröffnung eine Farbfotografie von JR für 19 500 Euro verkaufte) ist dabei. Wie beim Art Forum ist Kunst seit den 60er Jahren zugelassen, was zum Glück niemand ernst nimmt, bis auf die Galerie Nero, die das abstrakte gemalte Gesamtwerk Joachim Hillers vorstellt. „Neben der Spur“ ist eigentlich ein gutes Konzept. Nur hält die Liste das nicht durch.

- Palais am Tiergarten, Reichpietschufer 86, bis 27. Sept. 13 bis 21 Uhr, am 27. Sept. nur bis 19 Uhr.

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