Museen : Verschiebung im Kräftefeld

Bei den Staatlichen Museen Berlin stehen Neubesetzungen von mehreren wichtigen Führungspositionen an. Den Anfang macht die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Christina Tilmann

Bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz stehen im Zeitpunkt ihres 50-jährigen Bestehens wichtige Umordnungen bevor. Was vor allem an den anstehenden personellen Entscheidungen liegt: Innerhalb eines Jahres stehen gleich mehrere wichtige Führungspositionen innerhalb von Deutschlands größtem Museumskonglomerat zur Neubesetzung an. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und als solcher auch oberster Dienstherr über die Staatlichen Museen Berlin, macht Ende Februar 2008 den Anfang – und hat mit dem 48-jährigen Archäologen Hermann Parzinger schon einen profilierten, zukunftsweisenden Nachfolger gefunden, der sich besonders um die Neupositionierung der Dahlemer Sammlungen auf dem Schlossplatz wird kümmern müssen.

Auch Generaldirektor Peter-Klaus Schuster wird im Herbst 2008 in Ruhestand treten. Schuster, der neben der Renovierung der Museumsinsel ein großer Fürsprecher der als „Masterplan 3“ firmierenden weiterreichenden Planung ist, nach dem auch die Gemäldegalerie in die Nähe der Museumsinsel ziehen soll, fand einen engagierten Mitstreiter in Bernd Lindemann, ehemals Kustos der Berliner Skulpturengalerie, der nach seiner Zeit in Basel seit 2004 Direktor der Berliner Gemäldegalerie ist.

Wenn nun bekannt wird, dass Lindemann nach Ausscheiden des altverdienten Skulpturengalerie-Direktors Arne Effenberger Ende August auch dessen Position sowie das Museum für Byzantinische Kunst mit übernehmen soll, fügt sich das also ins Bild. Ist doch schon im Bode-Museum, das gestern seinen 500 000. Besucher seit der Wiedereröffnung im Oktober 2006 begrüßte, eine punktuelle Gegenüberstellung der Skulpturen mit Leihgaben aus der Gemäldegalerie versucht worden – ein Weg, den Lindemann mit einer künftigen Ausweitung der Raumfolgen in ein noch zu errichtendes Galeriegebäude auf dem Kasernengelände jenseits des Kupfergrabens weiterverfolgen will.

Das große Vorbild heißt Wilhelm von Bode, der einst Skulpturen- und Gemäldegalerie gleichzeitig leitete. Eine Konzentrierung innerhalb der 17 Einzelhäuser der Staatlichen Museen hatte schon die 2006 betriebene Zusammenlegung von Indischem Museum und Ostasiatischem Museum als Museum für Asiatische Kunst bedeutet. Auf dem Weg einer Zusammenführung europäischer Kunst auf der Museumsinsel ist Lindemanns Doppelfunktion nun ein konsequenter Schritt – und gleichzeitig eine entscheidende Verschiebung im Kräftegewicht der Staatlichen Museen zuungunsten des Generaldirektors. Denn der Nachfolger von Peter-Klaus Schuster soll nicht mehr gleichzeitig Direktor der Nationalgalerie und des Hamburger Bahnhofs werden – eine Positionenhäufung, die gerade in der Diskussion um die Rolle der Gegenwartskunst in Berlin immer kritisiert worden war. Nun kommen stattdessen gestärkte Einzeldirektoren ans Ruder. Der Strahlkraft der Häuser kann das nur nützen. Christina Tilmann

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