Norbert Bisky : Tarantino der Malerei

Das Berliner Haus am Waldsee zeigt Arbeiten des Künstlers Nobert Bisky. Die Schau "Ich war´s nicht" stellt Biskys Arbeiten denen seiner Lehrer und Idole gegenüber.

Nadine Emmerich[ddp]
Norbert Bisky
Norbert Bisky und sein Werk "Armageddon". -Foto: ddp

Er malt Kannibalen, blutende halbnackte Jünglinge und Männer, die vor ein Fachwerkhaus pinkeln. Das alles in knalligen Bonbonfarben: viel Blau, grelles Gelb, Grasgrün und Pink. Einen Norbert Bisky erkennt man schon von weitem. Auf dem internationalen Kunstmarkt werden dem Maler seine bösen Buben in Öl aus der Hand gerissen, in Deutschland begegnet man ihm zurückhaltender und kritischer. 25 Werke des 37-Jährigen sind ab Freitag (2. November) in der Ausstellung "Ich war's nicht" im Berliner Haus am Waldsee zu sehen.

Diesen gegenübergestellt werden Bilder von Biskys Lehrern und Künstlern, die er bewundert: Georg Baselitz, Jim Dine, Nicole Eisenman, Katharina Grosse, Walter Leistikow, K.R.H. Sonderborg. Die Macher haben sich nach eigenen Angaben "aus purer Neugier" dafür entschieden, die Bilder des Sohnes des Linke-Vorsitzenden Lothar Bisky auszustellen. Man sei auf die Reaktionen gespannt gewesen. Der 1970 in Leipzig geborene Bisky hat zwar bereits zum Beispiel in Seoul, Vilnius, Mailand, Paris und New York ausgestellt, in Deutschland indes eher in kleineren Größenordnungen.

"German Psycho" aus dem Osten

Das Berliner Stadtmagazin "Zitty" nannte den Baselitz-Schüler aus der Kommunistenfamilie jüngst "German Psycho" und "Tarantino der Malerei". Das klingt böse, war aber als Kompliment zu verstehen. Bisky könnte noch als Student durchgehen, ist freundlich und höflich und mimt sogar den Verwunderten, wird er auf die Kritik an seiner vermeintlichen Verherrlichung der Nazi-Ästhetik angesprochen. Aber er male doch gar keine blonden Jungen mehr, sagt der Künstler, der sich immer wieder für die Blondschöpfe rechtfertigen musste, die er mit nacktem, durchtrainierten Oberkörper Sport treiben ließ.

Tatsächlich hat Bisky seinen jungen Männern inzwischen eine neue Haarfarbe verpasst, sie sind jetzt brünett bis schwarzhaarig. Ob das auch eine Reaktion auf frühere Kritik ist, will er nicht deutlich beantworten, sagt nur: "Ich hatte einfach das Gefühl, ich will was anderes machen." Brutaler, drastischer und zum Teil apokalyptisch geworden sind die comicartigen Welten seiner Arbeiten: Die Männer darauf bluten, kotzen und lassen die Hosen runter.

Frauen werden en vogue

Auch Frauen sind jetzt sporadisch vertreten. Großformatige Arbeiten, wie das 2,80 mal 4 Meter messende "Armageddon" (2007) vereinen viele kleine Szenen: Männer prügeln sich, haben Sex, springen von Häusern. Auch in der Realität seien die Menschen nicht gerade zimperlich, sagt Bisky. "Ich zapfe alles an, was mich umgibt." Mit viel Blau male er, weil er im Kindergarten immer blaue Hemden angezogen bekommen habe, sagt der 37-Jährige, der zu Hause übrigens in schlicht weißen Wänden wohnt. Gelb sei früher mit Wahnsinn gleichgesetzt worden, und derzeit sehe er überall viel Gelb.

An Kreuze erinnernde Telegraphenmasken lässt er einstürzen, um die Katastrophenstimmung auszudrücken, die überall präsent sei. Christliche Symbolik fließen seit seinem Arbeitsaufenthalt in Spanien in seine Bilder ein. Fast alle Arbeiten der Ausstellung sind aktuell aus diesem Jahr. "Mir war ganz viel Gegenwart wichtig", sagt Bisky. Bei dem Bild "Alba" ist noch nicht mal die Farbe getrocknet, als es für die Schau angeliefert wird. Es zeigt zwei dunkelhäutige Jungen vor einem Fachwerkhaus, die Farbe Magenta dominiert. Dieses Bild sei von Brasilien beeinflusst, wo er regelmäßig hinfährt, sagt Bisky. Das Land habe ihn schon als Kind interessiert, weil es das "maximale Kontrastprogramm zu Deutschland ist". Im Vergleich zu Rio sei Berlin "eine erschreckend weiße Stadt", in der viel Realität fehle.

Bisky in Brasilien?

Vielleicht will er künftig noch mehr Zeit in Brasilien verbringen: "Könnte ich mir vorstellen", sagt Bisky - ein Satz, den er offenbar gern sagt. Er scheint lieber zu malen als zu reden. Und so lässt er auch schon vor dem Gespräch ausrichten, dass Fragen zu seinem Vater, dem Politiker, tabu seien.  

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