NS-Dokumentationszentrum : Neue Räume für die "Topographie des Terrors"

Nach jahrelangem Streit ist die Entscheidung über den Beginn des Neubaus für die "Topographie des Terrors" gefallen. Teile der Ausstellung sollen bereits 2009 geöffnet werden.

BerlinRund 20 Jahre nach Gründung der Ausstellung "Topographie des Terrors" und nach jahrelangem Streit soll am 2. November der Bau des neuen NS-Dokumentationszentrums beginnen. Diesen Termin nannte der geschäftsführende Direktor der gleichnamigen Stiftung, Andreas Nachama. "Es ist ein insgesamt sehr stimmiges Konzept", sagte Nachama.

Die Kosten für den Pavillon bezifferte er auf 18 Millionen für den Bau selbst sowie auf etwa 23 Millionen Euro für das Projekt insgesamt. Bis zum Mai 2010 soll das Dokumentationszentrum fertig sein. Vorbereitungen für den Bau laufen bereits. Nachama hofft, dass Teile der Ausstellung bereits 2009 öffnen können. Zudem bietet die Stiftung künftig einen Teilzugang zu Steven Spielbergs Shoah- Zeitzeugenarchiv.

Streit um frühere Entwürfe

Der Neubau wurde von Ursula Wilms (Heinle, Wischer & Partner/Berlin) entworfen und sieht einen "schwebenden Pavillon" aus Glas und Stahl vor. Das NS-Dokumentationszentrum liegt auf dem Gelände der ehemaligen SS- und Gestapozentralen. Ein Streit um den früheren Entwurf des Schweizer Architekten Peter Zumthor hatte zu jahrelangem Stillstand und schließlich zum Stopp nach bereits
verbauten 14 Millionen Euro geführt.

Die Ausstellung "Topographie des Terrors" in der Wilhelmstraße wurde am 4. Juli 1987 zum 750. Geburtstag Berlins ins Leben gerufen. Sie verzeichnet laut Nachama rund 500.000 Besucher im Jahr. Derzeit ist dort noch die Schau "Das 'Hausgefängnis' der Gestapo-Zentrale in Berlin" zu sehen, die bald dem Neubau weichen wird. Die Bibliothek der Stiftung bietet von Freitag an einen neuen Service: Dann können Interessierte in Teilen des von US-Regisseur Spielberg ("Schindlers Liste") gegründeten Shoah-Zeitzeugenarchivs recherchieren.

Sammlung internationaler Zeitzeugenberichte

In dem Archiv sind rund 52.000 Interviews gesammelt, die meisten davon mit jüdischen Überlebenden des Holocaust. Die Videos können seit 2006 in der Freien Universität Berlin angeschaut werden, der einzigen Einrichtung in Europa, die einen umfassenden Zugriff auf das Spielberg-Archiv ermöglicht. Die Interviews für das "Visual History Archive" wurden mit Hilfe von ehrenamtlichen Mitarbeitern mit Opfern und Zeugen aus 56 Ländern in 32 Sprachen geführt, die meisten auf Englisch, Russisch und Hebräisch, relativ wenige (900) auf Deutsch.

In dem Archiv finden sich erschütternde Dokumente von Überlebenden, wie Forscher der FU am Mittwoch zeigten. Ein Berliner Zeitzeuge erzählt zum Beispiel, wie er mit ansehen musste, wie seine Eltern abgeholt wurden, wie er gefoltert wurde und später unter abenteuerlichen Umständen vor den Nazis floh. (mit dpa)

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