• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Olafur Eliasson in der Galerie Neugerriemschneider : Der Eilandvermesser

08.12.2012 00:00 UhrVon Michaela Grimm

Vulkane und Hütten: Olafur Eliasson verarbeitet Karten seiner isländischen Heimat.

Es könnten auch Sterne sein oder ferne Galaxien. Von Nahem geben Siglen, Stempel und Legenden auf den gerahmten Papierbögen aber preis, dass die vielen filigranen Zahlen auf diesen Seekarten aus dem 19. Jahrhundert eine unsichtbare Landschaft zeichnen. Ein Raster von dem Eiland, das unter der Meeresoberfläche in Tiefen liegt, aus denen ganz plötzlich gewaltige Bedrohung hoch nach oben schlagen kann.

Der Blick auf die von Olafur Eliasson erstmals ausgestellten Sammlerobjekte ist gefiltert. Mundgeblasene Scheiben sind davor angebracht: Glas, das Blasen wirft und blutrot oder türkis verläuft, wodurch die Ausstellungsobjekte fehlerhaft belichteten Fotos ähneln.

Vor zwei Seestücken spaltet sich das teils eisblaue und das violette Glas geradezu tektonisch. Es offenbart einen Sehschlitz gleich einer Gletscherspalte. In diesen Karten steckt viel Poesie. Zugleich ist in allen drei Teilen der Ausstellung „volcanoes and shelters“ viel von dem Künstler selbst enthalten. Spiegel, Treibholz, Fotoserien – das kennt man von Eliasson, besonders hier in Berlin seit seiner großen Solo-Schau 2010 im Martin-Gropius-Bau.

Material und Themen der Ausstellung sind weder neu noch aufwendig, „volcanoes and shelters“ wirkt reduziert. Als ob es um eine Selbstbelichtung, eine Besinnung auf sein Werk ginge. Jene Farbverläufe und -schemen hat es schon einmal 2005 gegeben („The colour spectrum series“). Spiegel verwendet der dänische Künstler seit Beginn der neunziger Jahre als künstlerische Elemente („I grew up in solitude and silence“). Serielle Fotos von Gebäuden und Naturphänomenen zeigten etwa „The lighthouse series“ 1999 oder „The fault series“ 2001.

Aktuell versammelt Eliasson in einem Raum bei neugerriemschneider drei in diesem Jahr entstandene Fotoserien, die er parallel bei Tanya Bonakdar in New York präsentiert. „The volcanoe series“ umfasst 56 Fotografien der größten Vulkane Islands, die Eliasson vom Helikopter aus aufnahm. „The hut series“ zeigt 63 Fotografien einst für Schäfer errichteter Hütten. Den beiden Serien ist eine großformatige Einzelaufnahme aus „The large Iceland series“ beigestellt. Eliasson kontrastiert abermals innen und außen, gespiegelt in der prächtigen Schönheit Islands. Dabei isoliert er Geborgenheit und Gefahr. Vulkane sind, das haben sie mit Menschen gemein, Narben, die ein Inneres auf ihrem Mantel hinterlassen hat: in den märchenhaftesten Farben bemoost, vereist, ergraut. Jederzeit aber können sie wieder aufreißen und bluten.

Island, das ist die Heimat von Eliassons Eltern. Er selbst wurde in Dänemark geboren und schloss sein Kunststudium an der Königlichen Akademie in Kopenhagen ab. Doch kehrt der heute in Berlin lebende Künstler regelmäßig in das Land seiner familiären Ursprünge zurück und verarbeitet das nördliche Eiland in seinem Werk. Was er derzeit präsentiert, sind schlichte Studien, getragen von der Idee einer Vermessung und Kartografie. Ohne Spektakel, ohne Effekte und ohne Ohs oder Ahs. Auf diese Weise gewährt Eliasson Einblicke in die feine Präzision, mit der der Mensch an der Natur arbeitet und mit der die Natur ihre Farben zeichnet. Eliasson setzt all dies präzise ins Bild – in Glas und auch in Spiegeln. Wer seine Arbeiten kennt, wird diesmal nicht viel Neues bei neugerriemschneider finden und doch seine Freude haben: an der einfachen, schönen Klarheit seiner Kunst. Michaela Grimm

Galerie neugerriemschneider, Linienstraße 155, bis 26. 1.; Di bis Sa 11 – 18 Uhr.

Alle Folgen von Jam’in’Berlin

Tagesspiegel twittert

Empfehlungen bei Facebook

Weitere Themen aus der Kultur

Service

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz

Alle Tickets für Berlin und Deutschland bequem online bestellen!

Tickets hier bestellen | www.berlin-ticket.de